Kleinigkeiten sind nicht selten die entscheidenden Dinge im Leben. Sie halten so manches komplexe Gefüge zusammen. Das Hamburger Handelshaus Reyher hat mehr als 90 000 dieser kleinen Helfer im Sortiment: Verbindungselemente, die an Unternehmen verschiedenster Branchen geliefert werden. Dazu werden sie in Kunststoffbehältern aufbewahrt, von denen eintausend Stück im Betrieb zirkulieren und auch zu Geschäftspartnern geliefert werden. Die Kontrolle des automatischen Leerbehältermanagement-Systems ist entscheidend für einen optimalen Materialfluss. Diese Aufgabe leistet ein RFID-System, das auf der Frequenz 13,56 MHz operiert. Was die Labels dabei aushalten müssen, ist allerdings keine Kleinigkeit: die Nähe zu eisenhaltiger Ware und so mancher Waschgang zur Reinigung der Behälter erfordert eine Spezialanfertigung - quasi einen Überlebenskünstler unter den Labels.
Veröffentlicht: Märzausgabe 2006 "RFID im Blick"
Bei einem Traditionsbetrieb von der Waterkant darf das Material nicht wasserscheu sein. Die RFID-Technologie steht nicht unbedingt in diesem Ruf: je höher die Frequenz, desto größer die Störanfälligkeit gegenüber Wasser. Daher herrschte zunächst Skepsis bei der Firma Reyher vor. Das erklärte Ziel war, den Überblick über die Verfügbarkeit der Behälter weiter zu verbessern, Schwund zu reduzieren und den Endkunden jederzeit umfassende Informationen bereit zu stellen. Die Barcodetechnologie stieß nicht nur in puncto Transparenz, sondern auch angesichts der ungünstigen Bedingungen bei der Kennzeichnung der Einzelbehälter des KANBAN-Systems an ihre Grenzen. Die Behälter unterschiedlicher Größe werden nach der Rückkehr ins Lager zyklisch in einer automatischen Waschanlage gereinigt - mit Wasser, Seifenschaum und rotierenden Bürsten.
Eine lange Oberflächenhaltbarkeit war unter diesen Bedingungen mit dem Barcode nicht denkbar. Also holte sich Reyher zwei weitere Hanseaten sowie ein Kamener Elektronikunternehmen zwecks umfassender Beratung mit ins Boot: Zusammen mit der EDV-Abteilung von Reyher entwickelte UCS Industrieelektronik die entsprechende Software für das Behältermanagement. Der Etiketten-Hersteller RAKO Security Label sowie Sentronik stellten ebenfalls Komponenten für das maßgeschneiderte RFID-basierte Leerbehältermanagement-System zur Verfügung.
Das robuste 13,56 MHz-Label übersteht auch Säuberungen mit dem Hochdruckreiniger.
Spezielles Antennendesign
Rako produziert eine Vielzahl von Etiketten für den langjährigen witterungsbeständigen Außeneinsatz. Diese Erfahrungen brachte das Unternehmen nun ein, um 13,56 MHz-Transponder mit einem absolut wasch- und laugenfesten sowie temperaturbeständigen Klebstoff auf den Behältern anzubringen. Das Label besteht aus einem sehr robusten, abriebfesten, UV-stabilen Folienverbund mit langer Lebensdauer. In der Designabteilung und Inlay-Fertigung wurde eigens für dieses Projekt ein neues Antennendesign entworfen, das die Anpassung der elektrischen Eigenschaften des RFID-Etiketts an den produktspezifischen Kunststoff der Reyher-Behälter erleichtert. Für den Aufbau der Inlays wurden spezielle Chipmodule verwendet, die eine witterungsresistente, thermisch hochstabile und dauerhaft konstante elektrische Performance gewährleisten. Die Antennenparameter sind zur Reichweitenoptimierung auf die Untergründe der Kunststoffbehälter exakt abgestimmt.
Schrittweise Umsetzung
Schon nach relativ kurzer Zeit konnten die Partnerunternehmen erste Testversuche mit Einzelbehältern starten. Dazu wurden zunächst die Behälter des Reyher-Kunden mit den Transponderetiketten versehen. Alle aus- und eingehenden Leerbehälter wurden sodann manuell, mittels eines mobilen Tischlesegerätes registriert und die Daten in das Programm eingepflegt. So ergab sich ein kompletter Echtzeit-Überblick über die kursierenden Behälter. In der zweiten Phase wurde die Pulklesung der Daten getestet. Die Firma Sentronik hat zu diesem Zweck zwei Gate-Antennen entwickelt und im Lager installiert. Mit ihrer Hilfe konnten sogar unterschiedlich gepackte Paletten, sortiert gestapelt oder wahllos hineingeworfene Behälter in diversen Größen, gescannt werden. Die Datenerfassung lag stets bei einhundert Prozent. Die Installation erlaubt die schnelle, einfache und datentechnisch sichere Erfassung einer großen Anzahl unterschiedlicher Kunststoffbehälter. Um die Anzahl der im Umlauf befindlichen Behältnisse zu erhöhen und weitere Erfahrungen zu sammeln, hat Reyher vor kurzem damit begonnen, eine automatische Förderstrecke zur Vereinnahmung der Leerbehälterpaletten aufzubauen.
F. Reyher Nchfg. GmbH & Co. KG
Auf dem Gebiet der Verbindungs- und Befestigungselemente gehört Reyher zu den führenden Unternehmen der Branche in Europa. Mit vielfältigen Dienstleistungen und einem hohen Servicegrad bietet Reyher Industrie und Handel die Möglichkeit, Prozesskosten in der gesamten Materialwirtschaft zu senken. Reyher bietet seinen Kunden ein intelligentes C-Teilemanagement und modernste Lösungen im Bereich der Versorgungslogistik. Mit rund 90.000 vorrätigen Artikeln verfügt Reyher über das wohl breiteste und tiefste Sortiment der Branche.
Peter Schaffhausen ist seit 1988 Geschäftsführer der UCS Industrieelektronik GmbH. Er hat das Unternehmen mit Hilfe qualifizierter und hochmotivierter Mitarbeiter zu einem kompetenten Partner in der Automation für den Bereich Maschinen- und Anlagenmanagement aufgebaut.
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KANBAN-System mit getaggten Leerbehältern optimiert den Warenfluss - auch in schwierigen Umgebungen

