
Der Herstellungsprozess von Glasrohrtranspondern
Werkstückträger mit Glasröhrchen bestückt, rattern vollautomatisch durch die Produktionshalle. Jede einzelne der stecknadel- kopfgroßen Glaskanülen wird nach und nach mit einem RFID-Chip und Spulenferrit versehen, um nach der Fertigstellung als Glasrohrtransponder seinen Dienst zu leisten - zu Identifikationszwecken bei Haus- und Zuchttieren oder zur Teileidentifikation im industriellen Bereich.
Veröffentlicht: Februarausgabe 2008 "RFID im Blick"
Die Abnehmer lassen sich unterscheiden in Zwischenhändler und größere Unternehmen, die nur Glastransponder kaufen und die weitere Herstellung in Eigenregie übernehmen. In Europa gibt es bisher lediglich drei Unternehmen, die sich auf die Herstellung von Glastranspondern spezialisiert haben. Abhängig von der Abnahmemenge liegt der Preis der Tags bei rund einem Euro. „Die Abnahmemengen betragen zwischen 100 000 und mehr als 1 000 000 Stück“, informiert Norbert Knapich, Technischer Leiter bei Hersteller AEG Identifikationssysteme.
Kleiner Baustein, große Wirkung
Der Vorteil des sensiblen Bausteins liegt in der Lesereichweite. Trotz seiner geringen Baugröße erreicht er im Vergleich zu anderen Systemen im 13,56 MHz- oder 868 MHz-Bereich eine verhältnismäßig größere Lesedistanz. Diese liegt bei den Glastranspondern zwischen zehn Zentimetern und einem Meter, abhängig von der Glasstärke sowie der Kombination aus Glas und jeweiligem Lesegerät. Hier gilt, je größer der Ferritkern im Tag, desto größer ist auch die Reichweite. Darüber hinaus bietet das Glas Schutz vor Feuchtigkeit. Dagegen ist die Festigkeit gegenüber mechanischen Einflüssen wie Druck oder Schlägen vergleichsweise gering. Nachteilig wirkt sich auch die Bündelung der Feldlinien im Ferritkern aus, durch welche die Energie für die Arbeit geschaffen wird.
Herkunftsnachweis bei Tieren
Ein Großteil der Glastransponder im Format 2,12 Millimeter mal 12 Millimeter erreicht Tierärzte, Züchter und Wissenschaftler, welche die gläsernen Tags zur Identifikation von Haus-, Zucht- und Labortieren einsetzen. Um sicher zu gehen, dass der Transponder nicht im Körper des Tieres wandert, ist dieser mit einer speziellen Beschichtung überzogen und wächst nach einiger Zeit in die Haut des Tieres ein. Durch seine geringe Baugröße ist die Gefahr, dass dieser im Tier kaputt gehen könnte, sehr gering. Daher ist die Haltbarkeit des Glastransponders auch auf die Lebensdauer des Tieres ausgelegt. Für die Zukunft sieht Knapich ein weiteres Potenzial im Bereich Tieridentifikation: eine neue Chipgeneration soll zusätzlich mit einem Temperatursensor für die frühzeitige Erkennung von Krankheiten beim Haustier ausgestattet werden.
Technik mit Potenzial
Darüber hinaus sind Glastransponder in der industriellen Fertigung, beispielsweise zur Werkzeugidentifikation, bereits allgegenwärtig. Insgesamt findet die Technologie in allen Logistikapplikationen Einsatz, in denen es um Teileidentifikation geht: von der Kontaktlinsen- bis zur Schokoriegelproduktion, sowie als Wegfahrsperre im Autoschlüssel. Auch in diesem Bereich sei die Entwicklung noch nicht ausgeschöpft, lautet die Einschätzung Knapichs: „Die Unternehmen haben immer ein Auge auf die Konkurrenz, schauen, mit welchen Mitteln andere ihre Produktion effizient verbessern und eifern diesen dann nach.“
Der Glastransponder im Überblick
Maße:
2,12 Millimeter x 12 Millimeter
3,05 Millimeter x 13,5 Millimeter
4 Millimeter x 22 Millimeter
4 Millimeter x 34 Millimeter
Einsatzgebiete:
- Tieridentifikation bei Haus-, Nutz und Labortieren
- Industrielle Anwendungen wie Werkzeug- , Paletten und Behälteridentifikation
- Eigentumsnachweis von Gegenständen
- Wegfahrsperren
Lesereichweite:
Je nach Glas zehn Zentimeter bis ein Meter
Frequenzen:
125 kHz bis 134,2 kHz
Betriebstemperatur:
Minus 25 Grad Celsius bis Plus 85 Grad Celsius
Norbert Knapich, Technischer Leiter bei AEG Identifikationssysteme, über den Herstellungsprozess und die Potenziale von Glastranspondern.
Herr Knapich, AEG Identifikationssysteme ist eines von nur drei Unternehmen europaweit, die Glastransponder herstellen. Wie muss sich der Interessierte die Produktion vorstellen?
Die Herstellung erfolgt vollautomatisch. Das ist notwendig, um eine 100-prozentige Produktionssicherheit zu schaffen. In Asien gibt es einige Hersteller, die noch von Hand produzieren. Als Folge gehen viel mehr Transponder kaputt. Aber eine Funktionssicherheit muss sichergestellt sein, damit der Chip auch so lange funktioniert, wie beispielsweise das gechippte Tier lebt. Unsere Transponder haben daher eine minimale Lebenserwartung von 10 bis 15 Jahren.
Wie hoch ist der Anteil an defekten Transpondern, bedingt durch die Produktion?
Der Ausfall ist mit einem Anteil von weniger als einem Prozent normal für das Produktionsumfeld. Bevor die Chips ausgeliefert werden, führen wir noch 100-Prozent-Tests durch. In einem Screening sind die Produkte extremen Temperaturen von Minus 40 Grad Celsius und Plus 80 Grad Celsius ausgesetzt, um so Frühausfälle zu provozieren. Mit dieser Temperaturbelastung stellen wir die Qualität der Transponder, die in den Verkauf gehen, sicher.
Wie schätzen Sie das Potenzial ein? Sehen Sie neue Entwicklungen auf dem Glastranspondermarkt?
Die Möglichkeiten der Glastransponder sind grundsätzlich noch nicht ausgeschöpft. Traditionelle Anwendungen im Tierbereich bieten ein besonderes Potenzial für die Zukunft. Bisher ist die Identifikation von Haustieren mit Chips nur in wenigen EU-Staaten, beispielsweise in Großbritannien, gesetzlich geregelt. Es ist jedoch eine europaweite Regelung geplant, die das Chippen aller Haustiere vorschreiben soll. Darüber hinaus ist eine neue Chipgeneration in der Entwicklung, die zusätzlich mit einem Temperatursensor versehen ist. So können beispielsweise bei einer Katze Krankheiten frühzeitig erkannt werden. Eine Anwendung, die sicherlich Erfolg versprechend ist.
„RFID im Blick“ dankt Ihnen für das Gespräch.
Identifikation im Stecknadelformat
