Die Sicht eines Hardware-Anbieters auf Themen der IT-Branche.
Veröffentlicht: Maiausgabe 2008 "RFID im Blick"
Skeptiker kritisieren die langsame Entwicklung der RFID-Technologie. Was meinen Sie dazu?
Erst einmal ist es wichtig zu betonen, dass es den klassischen Anwender genauso wenig gibt wie die klassische Anwendung. Noch immer muss die Beratungsarbeit auf der Ebene der Prozesse sehr differenziert sein. Tatsächlich würde auch ich mir natürlich eine größere Anzahl umfassender Rollouts wünschen. Glaubt man einigen Marktbeobachtern, sind bereits alle Fragen die RFID-Technologie betreffend geklärt. Skeptiker hingegen schränken alle technologischen Entwicklungen und Fortschritte kategorisch ein. Sinnvoll ist die reale Einschätzung. Und die sollte differenziert sein! „Die standardisierte RFID-Anwendung auf breiter Ebene“ gibt es noch nicht. RFID ist immer noch keine Breitentechnologie, dennoch lassen sich Prozesse sehr verlässlich optimieren und zukunftsfähig gestalten. Zahlreiche Lösungen sind bereits seit über zehn Jahren in unterschiedlichsten Branchen erprobt und haben sich bewährt. Die beständige Weiterentwicklung der Technologie darf also nicht mit Skeptizismus gleichgesetzt werden.
Was genau heißt „differenziert“?
Es geht beispielsweise nicht immer nur um die UHF-Technologie. Betrachten wir Anwendungen nur mit der UHF-Brille, zeigen sich einige K.O.-Kriterien. Alle Frequenzen sollten in Betracht gezogen werden. Außerdem wünschen einige Unternehmen die Umsetzung von Hybridlösungen, bestehend aus Barcode- und RFID-Technologiekomponenten oder der Kombination unterschiedlicher Frequenzen der RFID-Technologie. Einige Entscheider wünschen aus finanziellen Gründen, dass die bereits im Unternehmen bestehenden Strukturen nicht komplett erneuert, sondern sukzessive an moderne Strukturen angepasst werden.
Wie ist Ihre Einschätzung des IT-Marktes? Wo liegen noch Herausforderungen?
Fakt ist zum heutigen Zeitpunkt, dass die Hardware von den Vorgaben der Software abhängig ist. Da ein RFID-Leser nicht über eine beliebige Anzahl von Schnittstellen für den spezifischen Anwendungsfall verfügt, muss diese Schnittstelle über die Integration eines Wandlers, einer Gateway-Lösung erfolgen. Dieser Wandler ermöglicht den Übergang von einer zur anderen physikalischen Schnittstelle und beziehungsweise oder erlaubt die Konvertierung von einem zum anderen Protokoll (Protokollwandlung). Eine standardisierte Vereinheitlichung existiert momentan nicht. Das ist technologisch zwar kein Problem, muss aber eben bedacht werden. Microsoft hat beispielsweise eine Lösung entwickelt, die es dem User ermöglicht, den Lesertreiber aus dem Internet herunterzuladen. Das ist ein interessanter Ansatz. Auch die Integration einer leistungsfähigen Middleware – beispielsweise Cross Talk –kann die Anbindung an Software ermöglichen. Darüber hinaus
gibt es Leser mit einer eigenen IP-Adresse im Internet. Das entspricht der häufig propagierten so genannten großen Lösung, bei der die Daten auf einem Zentralserver liegen. Außerdem kann auch auf der vorhandenen Infrastruktur eine Schnittstelle geschaffenwerden. Diese Möglichkeiten reichen von RS 232 über USB-Anschlüsse bis hin zu Feldbus oder dem High Speed Ethernet.
Welches Fazit ziehen Sie?
Nach heutigen „State of the art“ dominiert durchaus die sehr differenzierte und individuelle Vorgehensweise. Kritiker mögen das Bastelei nennen. Ich nenne das gesunde Entwicklung einer leistungsstarken und innovativen Technologie. Das ist der übliche Weg. Die heutigen ‚Proof of concepts‘ werden zu großen Rollouts führen. In diesem Zuge wird sich dann auch die Standardisierung der Schnittstelle zwischen Leser und Software weiterentwickeln.
Joachim Gonschior
Keyaccount Manager Marketing bei deister electronic GmbH
joachim.gonschior(at)deister.com
Die Hardware muss immer noch der Software folgen


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