RFID am Zug
Komplexe Anforderungen und extreme Umgebungsbedingungen wie Schmutz und Hitze erschwerten bislang die Identifikation und Lokalisierung von Güterwaggons und ihrer Ladung. Durch den Einsatz von UHF-RFID-Transpondern können vorbeifahrende Züge nun eindeutig identifiziert und lokalisiert werden. Damit wird der Aufenthaltsort der Waggons und auch der ihrer Waren in Echtzeit für alle Beteiligten sichtbar.
Veröffentlicht: Maiausgabe 2008 "RFID im Blick"
Seit sich bei RFID-Chips das Protokoll EPC Gen2 als Standard etabliert hat und Hersteller Transponder für die Montage auf metallischen Oberflächen anbieten, stehen Anwendungen im Güterverkehr auf der Schiene im Fokus von Logistik und System-Integratoren. Die Datenübertragungsrate zwischen Transponder und Reader ist bei EPC Gen2 so hoch, dass die Identifikationsnummer bei einer Geschwindigkeit von 80 bis 100 km/h lesbar bleibt. Robuste, wetterfeste Lese-Schreib- Einheiten können entlang der Bahnstrecke an vorhandenen Masten montiert werden und über eine Entfernung von über zwei Metern den Transponder am rollenden Gut auslesen und beschreiben.
Transponder im Härtetest
Derzeit sind erste erfolgreiche Installationen zur Verfolgung des Güterverkehrs mit RFID-Chips im Einsatz. Eine besondere Herausforderung meistern Hochtemperatur-Transponder in einer Kupferschmelze. Der System-Integrator Marie-Bentz bestückt mit den Transpondern von Harting Waggons zum Transport heißer Schlacken. Auf den Tags werden die ID-Nummern und die Ergebnisse der automatischen Gewichtsmessung gespeichert. Diese geben Auskunft über die in der Schlacke verbliebene Kupferkonzentration, wodurch die Rückgewinnung des Restkupfers aus der Schlacke entscheidend verbessert wird. Darüber hinaus wird sichergestellt, dass die Waggons gut ausgelastet sind und gleichzeitig immer eine ausreichende Transportkapazität zur Verfügung steht.
| Temperaturen im Prozess | Waggon | Einbauort Transponder | Zeit |
| Schlacke während des Einfüllens | 1 000 Grad Celsius | 120 Grad Celsius | 10 Minuten |
| Abkühlung während des Transports | 900 Grad Celsius | 80 Grad Celsius | 30 Minuten |
| Auskühlen während der Rückfahrt | zirka 300 Grad Celsius | 50 Grad Celsius | 60 Minuten |
| Transport | Zyklen pro Tag: zirka 12 | ||
| Lesen der ID-Nummer | bei der Geschwindigkeit von 20 km/h | ||
| Außentemperaturen | Minus 5 Grad celsius bis Plus 40 Grad Celsius |
Datenerfassung unter extremen Bedingungen
Beim Schlackenabstich des Kupferhochofens in Bulgarien geht es ungemütlich zu. Doch auch in dieser rauen und staubigen Umgebung verrichten die passiven UHF-Transponder HARfid LT 86 (HT) von Harting bei erhöhten Temperaturen in der Nähe der heißen Schlacken zuverlässig ihren Dienst. Das robuste und hermetisch dichte Design der Gehäuse und die Verwendung von Kunststoff mit extrem hohem Schmelzpunkt lassen die Transponder den täglichen Einsatz rund um die Uhr ohne Ausfälle überstehen.
Ziel des Projektes: automatische Verwiegung und Erkennung der Waggons mit zugeordneten Produkten
Inbetriebnahme: erste Inbetriebnahme im Juni 2007, anschließend Testfahrten bis August 2007, seit August 2007 voll in Betrieb
Software: Marie-Bentz, Winscale
Anwendung: Verwiegung, Produktstatistik, Identifizierung, Laufzeit der Waggons
Waggons: Ladekapazität 120 Tonnen brutto mit ausgemauerter Metallwanne
Produkt: Hochofenschlacke
Besonderheiten: Beim Befüllen kommt es zum Überlaufen der Waggons. Daher musste der Einbauplatz von oben und den Seiten geschützt werden. Die Transponder wurden zusätzlich in Asbestgewebe eingewickelt, da die Schlacke beim Entleeren
unkontrolliert spritzte. Der Abstand zwischen Lesegerät und Transpondern beträgt horizontal rund fünf Meter, wobei der minimale Abstand von je zwei Transpondern ein Meter ist, um die Waggons einzeln identifizieren zu können.
Jörg Hehlgans ist Leiter Marketing & Vertrieb bei Harting Mitronics mit dem Schwerpunkt passive UHF-RFID-Transponder.
Joerg.Hehlgans(at)HARTING.com
Funktechnologie ermöglicht Identifikation von Güterwaggons
