Hühnchen statt Pasta? Ist der Trolley für das Flugzeug-Catering erst einmal falsch bestückt, macht so mancher eingefleischte Vegetarier ein langes Gesicht. Das Verbundprojekt „Intelligent Catering via RFID“ (iC-RFID) soll nun die Logistik für das Flugzeug-Catering mittels RFID verbessern.
Veröffentlicht: Juniausgabe 2008 "RFID im Blick"
Mit dem Einsatz der RFID-Technologie soll ein Logistik- und Catering-System entwickelt werden, das fehlgeleitete Trolleys eigenständig erkennt und kostensparende Gegenmaßnahmen einleitet. Die Trolleys kontrollieren zukünftig selbst, ob sie mit dem richtigen Menü für den angegebenen Flug beladen sind und schlagen Alarm, sobald sich diese nicht im richtigen Flugzeug oder in der falschen Bordküche befinden. Für eine Kooperation mit dem Projekt wurden insgesamt acht europäische Airports angesprochen, darunter die deutschen Flughäfen Hamburg, Köln-Bonn, München und Stuttgart, aber auch europäische wie Athen, Riga und Warschau. Eine Entscheidung darüber, welche Fluglinie und welches Catering-Unternehmen beteiligt werden, sei noch nicht gefallen und stände für den Herbst 2008 aus, informiert Dr. Michael Groß vom beteiligten Unternehmen autoID systems. Ziel des Projektes ist es, die Leistungsfähigkeit eines prozessübergreifenden RFID-Gesamtsystems aufzuzeigen, welches plattformbasiert arbeitet. Hierzu soll später die Gesamtlösung am Airbus-Standort Finkenwerder bei Hamburg in ein A380 Kabinenmodell integriert werden, um so verschiedene funktionale Konzepte realitätsnah vorzustellen und entsprechend zu testen.
Mitdenkende Container
Der Einsatz von RFID-Transpondern, die das Partnerunternehmen autoID systems liefert, ist auf zwei Ebenen geplant. Zum einen werden die intelligenten Container selbst mit wiederverwendbaren passiven UHF-Tags ausgestattet. An den Trolleys sind weiterhin Displays angebracht, damit der Inhalt auch ohne den Gebrauch von Lesegeräten für die Mitarbeiter sichtbar ist. Derzeit werden unterschiedliche mobile sowie stationäre Lesegeräte getestet. Zum anderen sollen auch die Verpackungs-einheiten der Artikel in den Trolleys, beispielsweise die einzelnen Essen sowie Zeitungen oder andere Duty-free-Verkaufs-produkte, mit Einwegtranspondern ausgestattet werden. Über eine Middleware-Lösung des Unternehmens werden alle Prozessteilnehmer dynamisch miteinander verknüpft, ohne auf ein einheitliches Netzwerk zur Datenübertragung zurückzugreifen. Dabei kommunizieren „On Ground“- und „In Flight“-Systeme ständig miteinander. So lassen sich die Prozesse im Catering-Service transparenter gestalten. Darüberhinaus erhält die Cabin Crew aktuelle Informationen darüber, unter anderem welcher Passagier welches Menü bestellt hat.
Catering nach Maß
Ziel ist es, durch optimierten Service die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und den Passagieren einen „Meal-on-demand“ Service zu bieten, indem bereits beim Einchecken die Abfrage nach dem Essenswunsch stattfindet. Geplant ist der Einsatz zunächst allerdings nur für Passagiere der First- und Business-Class. Außerdem lässt sich so das typische „Übercatering“ vermeiden. Denn bisher werden mehr Portionen auf den Flug mitgenommen als tatsächlich verbraucht, um flexibel auf die Wünsche der Passagiere eingehen zu können. Zukünftig wird man also ohne „übercatern“ sicherstellen können, dass der Fisch auch zum Fischliebhaber kommt und das Fleisch bei dem Passagier landet, der lieber Fleisch gegessen hätte. Ergänzend lassen sich die Abläufe der Serviceprozesse, die benötigte Zeit und die Auslastung der Kabinencrew besser nachvollziehen. Die Lösung soll in Zukunft als neues Geschäftsmodell für ein „Fliegendes Restaurant“ oder für Duty-Free-Shopping in einer bisher nicht dagewesenen Bandbreite dienen. Diese könnten dann als eigenständige Betriebe in der Luft fungieren. Bei aller Begeisterung über solche innovativen Möglichkeiten darf aber nicht vergessen werden, dass ein belastbares Geschäftsmodell als tragende Säule entstehen muss. Denn schließlich wollen die Airlines und Catering Unternehmen Geld verdienen, um im stark umkämpften Luftfahrtgeschäft zu bestehen. Aus diesem Grunde steht die Erstellung eines Business Modells im Projekt iC-RFID ebenfalls im Mittelpunkt.
Das Projekt „Intelligent Catering via RFID“ im Überblick
Ziel: Entwicklung und Validierung eines unternehmensübergreifenden intelligenten RFID-gestützten Service System unter Einbeziehung der gesamten Prozesskette für das Catering in Flugzeugen, um den Service für die Passagiere zu verbessern
und die Kosten des Gesamtprozesses zu senken
Projektdauer: Mai 2007 bis April 2010
Projektleitung: Airbus Deutschland
Wirtschaftlichkeitsprüfung: Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation, IAO Fachhochschule Köln
Tags und Middleware-Lösung: autoID systems
Fliegendes Restaurant