Zur Optimierung von Logistikprozessen mit RFID und IT arbeiten Forscher der Universität Leipzig an neuen IT-Konzepten. Die Logistik-Service-Bus Plattform soll kleinen und mittleren Unternehmen helfen, manuellen Aufwand bei der Kommunikation mit Logistikpartnern zu verringern. Gemeinsam mit Ubigrate wurde ein industrieller Prototyp entwickelt, der durch Kommunikation mit RFID-Technik und Industriewaagen Belegflüsse beschleunigen kann.
Veröffentlicht: Juliausgabe 2008 "RFID im Blick"
In kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) laufen viele Logistikprozesse mit hohem manuellem Aufwand in einer meist heterogenen IT-Landschaft ab. Der Einsatz neuester Softwaresysteme in Verbindung mit RFID-Technik wird oft als zu teuer wahrgenommen. Forscher an der Universität Leipzig arbeiten im Rahmen des Kompetenzzentrums Logistik-Service-Bus (LSB) für eine bessere Zusammenarbeit von KMUs untereinander sowie mit Logistikkonzernen. Die Informationen sollen zwischen den IT-Systemen künftig medienbruchfrei fließen können. RFID-Technik, auch verbunden mit weiteren Geräten, lässt sich an verschiedenen Stellen einsetzen. So können beispielsweise Belege und Transportdokumente automatisch erstellt und bei der Übergabe geprüft werden.
Automatische Datenerfassung
Im Rahmen einer Industriepartnerschaft mit Ubigrate wurde ein Prototyp entwickelt, bei dem neben RFID-Komponenten auch zusätzliche Geräte eingebunden wurden. Diese können helfen, Daten automatisch zu erfassen und an IT-Systeme zu übergeben. Das spart Zeit und erhöht die Transparenz, speziell bei Versand, Transport und Auslieferung. Mit dem Prototyp wurde ein Szenario zur Optimierung des Warenaus- und -eingangs umgesetzt. Zum Einsatz kommen ein RFID-Etikettendrucker, eine Industriewaage und eine Digitalkamera. Im ersten Prozessschritt, dem Versand, erfolgt, parallel zur Bereitstellung der versandfertigen Ware, eine automatische Erfassung der Detaildaten der Lieferung. Dies sind beispielsweise das Gewicht der verpackten Ware sowie die Lieferungs-ID und die Art der Ware. Die Daten werden, zusammen mit einem Zeitstempel, sowohl auf einem RFID-Etikett als auch im zentralen Dienst der LSB-Plattform gespeichert. Die Plattform realisiert den unternehmensübergreifenden Datenaustausch.
Fehlervermeidung und verbesserte Dokumentation
Bei der Auslieferung der Ware an den Empfänger lässt diese sich automatisch über das angebrachte Etikett identifizieren. Ein Abruf der von der LSB-Plattform gespeicherten Daten kann beispielsweise automatisch das beim Empfänger ermittelte Gewicht mit dem Sollgewicht abgleichen. Tritt eine Abweichung auf, signalisiert ein Bedienterminal den Fehler an das zuständige Personal. Eine Digitalkamera erfasst die fehlerhafte Warensendung. So lassen sich gegenüber dem Logistikdienstleister mögliche Ansprüche leichter geltend machen, wenn die Lieferung beispielsweise beschädigt wurde. Der Logistikdienstleister kann dadurch seine eigene Transparenz erhöhen und verfügt stets über aktuelle Daten der Lieferung. Dieser kann das als Mehrwert an seinen Kunden weitergeben und eine schnellere Abwicklung von Problemfällen, sowie eine bessere Dokumentation anbieten. Häufig findet man in Unternehmen Prozesse vor, in denen vorhandene Technik nicht effektiv genutzt wird. So müssen Mitarbeiter Daten an Messgeräten ablesen und manuell in Papiere übertragen, was sehr fehleranfällig ist. Das eigentliche Potenzial der Technik wird oft übersehen.
Zusätzliche Funktionen
Ein Appliance, ein spezielles Gerät mit individueller Software, kann alle im Prototypen verwendeten Geräte sowohl beim Versand als auch bei der Auslieferung ansprechen. Der Appliance besteht aus einem schlanken Server und an die Anforderungen angepasster Software. In Verbindung mit dem zentralen Dienst der LSB-Plattform lässt sich so ein Mehrwert schaffen, der sonst nur größeren Unternehmen vorbehalten bleibt. Die Möglichkeiten gehen allerdings weit über das Prüfen des Gewichts hinaus. Mit zusätzlicher Sensorik können auch Lager- und Transportbedingungen auf verschiedene Weise gemessen, überwacht und dokumentiert werden. Temperaturlogger können in Kühlketten eine unzureichende Kühlung erkennen. Für sensible Warensendungen lassen sich auch Sensoren einsetzen, die groben Umgang mit den
Waren eindeutig dokumentieren. Mit der standardisierten Integrationssoftware können auch KMU das Potenzial ihrer Gerätedaten einfach erschließen. Große IT-Infrastrukturen sind dafür nicht notwendig.
Dr.-Ing. Mario Neugebauer ist Mitgründer und Gesellschafter der ubigrate GmbH und verantwortet den Technischen Vertrieb.
Steffi Donath ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Leipzig.
RFID beschleunigt automatisierte Belegflüsse