Der Bielefelder Stoffverlag JAB Anstoetz nutzt in seinem Lager in Herford ein RFID-System, welches den Verladeprozess von Teppichen unterstützt. Die Lösung wurde durch das Unternehmen DTE integriert und umgesetzt.
Veröffentlicht: Septemberausgabe 2008 "RFID im Blick"
Bis zu 400 Teppiche passieren pro Tag den Warenausgang im Lager in Herford. Das entspricht rund 70 000 Packstücken im Jahr, darunter auch ausgefallene Sonderanfertigungen, denen ganz individuelle Produktionszeiten vorausgehen. Beim Verladen kam es in der Vergangenheit zu Differenzen zwischen den für den Spediteur erzeugten Versandunterlagen und der tatsächlich verladenen Ware.
Differenzen vermeiden
Die von JAB implementierte RFID-Lösung ermöglicht einen fehlerfreien Verladeprozess ohne zusätzlichen manuellen Aufwand. Hermann-J. Grauthoff, EDV- und Organisationsleiter bei JAB Anstoetz, sieht den Vorteil gegenüber einer Barcode-Lösung, die zunächst erwogen wurde, in der richtungsunabhängigen Ausrichtung des RFID-Etiketts. „Mit RFID ist es auch möglich Teppichrollen auszulesen, die ineinander geschoben werden, um den Laderaum im LKW optimal auszunutzen. Zum anderen erhalten wir eine hundertprozentige Übereinstimmung zwischen der Ware auf dem LKW und der Meldung, die der Spediteur erhält.“
Transparenz im Verladeprozess
Mit dem Kundenauftrag wird das Etikett mit Lieferadresse und Produktdaten erstellt. Andreas Rehsöft, Geschäftsführer von DTE, beschreibt den Ablauf wie folgt: „Die Daten werden direkt aus dem SAP-System über den Drucker auf die RFID-Tags programmiert. Die Etiketten sind auf der Stirnseite der in Folie eingeschweißten Teppiche appliziert. Diese durchlaufen nachfolgend ein Gate mit zwei zusätzlichen Lichtschranken, die den Leseprozess anstoßen. Die Daten werden zunächst autonom auf einem Rechner vor Ort aufgezeichnet. Ist die Verladung beendet, können die Mitarbeiter über ein zusätzlich integriertes Modul die Daten extrahieren und wieder dem SAP-System bereitstellen.“
Die Technologie
Zum Einsatz kommen fünf Drucker von Toshiba Tec (B-SX 4T) sowie ein Long Range Reader (LRU1000) von Feig mit vier zirkularen Patch-Antennen zum Auslesen der Daten. Die rund 70 000 Etiketten, mit UHF-EPC Gen 2-Tags, pro Jahr liefert Herpa Print. Die Software UHF Identify wurde von DTE entwickelt, die Anpassung an das SAP-System hat JAB Anstoetz selber vorgenommen. Die ersten Überlegungen wurden in 2005 angestellt. Die Planung und erste Installation waren innerhalb von acht Wochen abgeschlossen. Bis zum reibungslosen Betrieb waren Anpassungen in den Prozessen und der Hardware erforderlich, so dass sich das Projekt insgesamt über ein Jahr erstreckte.
Die Technik richtig verstehen
Eine Herausforderung stellte das automatische Stahlmagazin dar, das über drei Ebenen läuft und eine Antennen-Neujustierung nötig machte. „Um Reflexionen und Fehlscans zu vermeiden, wurden die zusätzlichen Lichtschranken eingesetzt, sodass ein kontrollierter Ablauf möglich ist“, so Rehsöft. „Die Implementierung der RFID-Technik wird in der Öffentlichkeit oft zu einfach dargestellt. Dem ist aber nicht so. Aber wir haben gelernt, die Technik problemorientiert für unsere Prozesse nutzbar zu machen“, ergänzt Grauthoff.
Kostenaufwand gerechtfertigt
Auf die Frage nach dem Benefit antwortet Grauthoff: „Der finanzielle Gewinn lässt sich schwer in Zahlen auszudrücken, da durch die RFID-Technik zusätzliche Kosten entstehen. Diese werden jedoch durch den Kostenvorteil, der durch die Optimierung des Verladeprozesses und die damit verbundene Qualitätsverbesserung entsteht, aufgewogen.“ Rehsöft fügt hinzu: „Das Nutzenpotential der Technologie wird weiter steigen, wenn die Etikettenpreise zukünftig fallen.“ Eine Ausweitung der RFID-Technologie auf weitere Prozesse sei laut Grauthoff derzeit nicht geplant, dennoch zieht der Projektleiter ein sehr positives Fazit: „Wir würden die Technologie jederzeit wieder auch in anderen Bereichen einsetzen.“
Dieser Beitrag basiert auf einem Interview mit Andreas Rehsöft, DTE Automation GmbH, und Hermann-J. Grauthoff, Jab Josef Anstötz KG.
Verladeprozess von Teppichrollen bei JAB Anstoetz



