In der Vergangenheit wurden viele falsche Erwartungen an die RFID-Technik geweckt. Das zumindest meint Andreas Rehsöft, Geschäftsführer von der DTE Automation. Es sei ein Trugschluss, wenn der Anwender glaubt, dass RFID alleine das Problem löst. Viel wichtiger sei es, die Prozessabläufe genau zu analysieren. Für Systemintegratoren eine Herausforderung, der sie mit neuem Selbstbewusstsein begegnen.
Veröffentlicht: Septemberausgabe 2008 "RFID im Blick"
„Ein Gefühl für die Technik bekommen“, könnte das Credo des Fachmannes lauten. Der Geschäftsführer spricht aus langjähriger Erfahrung bei der Umsetzung von RFID-Projekten. Der Herforder IT-Dienstleister mit Ausrichtung auf Systemintegration und Hard- und Softwarelösungen hat sich dabei vor allem auf die Branchen Logistik und Fertigungsindustrie spezialisiert. Besonders im Behältermanagement sieht Andreas Rehsöft große Potenziale, allerdings sei der Aufklärungsbedarf bei der IT-Integration immer noch hoch.
Es gibt kein Patentrezept
Kein Projekt ist wie das andere. Sich immer wieder auf den Informationsstand des Kunden einzustellen, diesen aktiv an der Umsetzung des Projektes zu beteiligen, das sind für Rehsöft die Schlüsselfaktoren. Dazu müsse der Kunde selbst nicht nur Kapital, sondern auch Zeit investieren, um erst einmal mit IT und Lagerleitung „auf eine Ebene zu kommen“. Und natürlich, um die Machbarkeit vor Ort zu testen. Auch wenn dies im Zweifelsfall heißt, zu zeigen, dass RFID den Barcode in vielen Bereichen nicht ersetzen wird.
Die Vorsicht, mit welcher bis vor Kurzem der RFID-Technologie teilweise begegnet wurde, hat die Branche immer wieder in den Mittelpunkt der Diskussion gebracht. Sollten Systemintegratoren heute nicht selbstbewusster sein und sich weniger an der Kritik orientieren?
Ja, das sehe ich auch so. Systemintegratoren können mittlerweile ganz selbstbewusst auftreten. Man hat ja Projekte umgesetzt, die funktionieren. Und mit jedem erfolgreich realisierten Projekt wächst das Selbstbewusstsein. Vor ein paar Jahren sind wir recht blauäugig an Projekte herangegangen. Heute wissen wir relativ schnell, was geht und was nicht.
Worin liegen derzeit technologisch gesehen die größten Herausforderungen für einen Systemintegrator, der Komplettsysteme und umfassende Lösungen anbietet?
Die Herausforderungen sehe ich momentan einerseits bei der Analyse der Prozesse und darin, für diese das passende RFID-System mit den richtigen Hardwarekomponenten umzusetzen. Andererseits muss dieser Erfassungsablauf spezifiziert und eine Schnittstelle zum übergeordneten System geschaffen werden. Weder hierfür noch für die Readerprotokolle gibt es Standards. Für Transponder existieren zwar Datenstandards wie EPC. Dennoch muss der Kunde bei der Umsetzung eines Grundprojektes in einen EPC-Standard betreut werden.
Ist das Produkt „Middleware“ ausreichend und transparent kommuniziert worden? Ist „draußen“ beim Kunden klar, welche Bausteine notwendig sind, um eine Anwendung erfolgreich zu starten?
Aus meiner Sicht gibt es keine transparente Middleware. Wir schaffen eigentlich bei fast jedem Projekt eine neue Middleware beziehungsweise passen Module kundenspezifisch an. Die Datenkommunikation zum Warenwirtschafts- oder Lagerleitsystem kann auf einfachster Ebene mit einer Textdatei realisiert werden oder mittels inzwischen sehr weit verbreiteter XML-Dateien. Oder der Datenaustausch erfolgt auf Tabellen- oder Datenbankebene. Der Kunde geht von einem RFID-Teil aus, sieht aber nicht, dass dieser aus verschiedenen austauschbaren Bauteilen bestehen kann.
Wie groß wird zukünftig der Anteil der notwendigen IT-Kompetenz sein, um ein Projekt auch langfristig erfolgreich zu evaluieren?
Die IT-Kompetenz stufe ich in Zukunft als sehr hoch ein. Die RFID-Technik ermöglicht ganz andere Möglichkeiten als der Barcode, beispielsweise in der Automobilfertigung. Indem man jedoch die Fertigungsschritte auf einen Transponder schreibt, müssen Daten um Statusinformationen erweitert und dazu neue Datenstrukturen geschaffen werden. Genau hier beginnt die Auseinandersetzung mit der IT.
Trotz steigender Anzahl der RFID-Projekte liegt der Markt noch immer hinter den Erwartungen zurück. Stimmen Sie dieser Einschätzung zu?
Da stimme ich zu. Dies hat mehrere Gründe: Erstens die Qualität der RFID-Tags. Es sind Produkte auf den Markt gekommen, die noch nicht ausgereift waren. Zweitens wurden seitens der Anbieter falsche Erwartungen in Bezug auf den Preis oder Reichweite geweckt. Oft steht der Wunsch des Kunden nach einer preiswerten Lösung daher im Konflikt mit den viel zu hohen Ansprüchen an die Funktionalität der RFID-Technik.<(p>
Herr Rehsöft, vielen Dank für das Gespräch!
Webbasiertes Palettenpoolsystem
Ein Beispiel für eine kundenspezifische Umsetzung ist das Palettenpoolsystem Palpool bei dem Unternehmen Craemer, das seit Anfang 2007 in der zweiten Version erfolgreich läuft. DTE hat dieses von der RFID-Technik, über die Handgeräteprogrammierung, GPS-Datenübertragung bis hin zum Fertigungssystem bei Craemer realisiert. Dort werden die Paletten initialisiert und die Transponder beschrieben. Über ein Webportal ist es möglich, XML-basierte Kundendaten oder Paletteninformationen auszutauschen. Der Lösungspartner Resolto, ebenfalls mit Sitz in Herford, hat die Webapplikation erstellt. Das System wird schrittweise weiterentwickelt. Zukünftig ist geplant, mit dem Palpool eine europaweite Abdeckung zu erreichen.
Ganz oder gar nicht – Keine RFID-Lösung ohne IT

