Für den Konsumenten ist es wichtig, dass die Ware jederzeit am Point-of-Sale verfügbar ist. Diese Just-in-time-Anforderungen wirken sich unmittelbar auf den Wertschöpfungsprozess und alle daran beteiligten Partner aus. Mit RFID-basierten Supply-Networks, in denen alle Teilnehmer zusammenwirken, ist es möglich dem Kundenanspruch gerecht zu werden.
Veröffentlicht: Septemberausgabe 2008 "RFID im Blick"
Ein vielfältiges Angebot an Waren und Gütern, marktgerechte und akzeptable Preise sowie die sofortige oder wenigstens kurzfristige Lieferung sind für anspruchsvolle Kunden von hohem Stellenwert. Egal, ob es sich um ein paar Schuhe, einen DVD-Rekorder oder um ein neues Auto handelt. Die Produzenten reagieren auf diese Entwicklung und individualisieren ihre Angebote kontinuierlich. Entsprechend wächst die Variantenvielfalt der Produkte. Das Positive dabei: Die differenzierte Nachfrage der Kunden ermöglicht den Anbietern, sich mittels vielfältiger Ausprägungen eines Produktes vom Wettbewerb abzuheben.
Differenzierung ist entscheidend
Ein Beispiel dafür ist die Textilindustrie mit ihrer zunehmenden Spezialisierung auf unterschiedliche Zielgruppen. Noch ausgeprägter gilt dies für die Preisgestaltung. Denn wer vergleichbare Produkte attraktiver – also günstiger – anbieten kann als seine Mitbewerber, hat Erfolg bei den Konsumenten. Gerade in der Werbung für elektronische Konsumgüter kann diese Entwicklung nahezu täglich verfolgt werden. Voraussetzung dafür ist aber stets, dass die Ware zum vorgesehenen Zeitpunkt am geplanten Ort bereit steht. Das gilt nicht nur für die rechtzeitige Lieferung des neuen Autos, sondern insbesondere auch für die immer öfter stattfindenden großen Rabatt- und Sonderverkaufsaktionen. Diese Just-in-time-Anforderungen wirken sich unmittelbar auf den Wertschöpfungsprozess und alle beteiligten Partner aus – Groß- und Einzelhandel, Distributoren, Logistiker und nicht zuletzt die Hersteller selbst.
Alle Partner vernetzen
Die Folge davon ist eine immer engere, weltweite Verzahnung von Herstellung, Veredelung und Distribution von Gütern. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit zwischen den Beteiligten. Wenn ein Partner einer Supply Chain nicht richtig „funktioniert“, also Falsches zum falschen Zeitpunkt oder gar nicht liefert, ist der Erfolg der übrigen Partner massiv gefährdet. Doch nicht nur die Warenströme selbst, sondern auch die zugehörigen Planungs-, Steuerungs- und Kontrollinformationen werden immer komplexer und zeitkritischer. Die Unternehmen sind also gut beraten, ihre Effizienz in der gesamten Lieferkette zu verbessern und zeitaufwändige manuelle Prozesse auszuschalten.
Grenzübergreifendes Supply-Network
Das Hauptaugenmerk liegt bei den globalen Lieferketten und im grenzübergreifenden Supply-Network deshalb schon heute auf dem Zusammenwirken aller Teilnehmer. Denn während die einen wegen des konstanten Preisdrucks immer mehr Produktionsschritte in Länder mit niedrigerem Lohnniveau verlagern, werden gleichzeitig Dienstleistungen im Wertschöpfungsprozess an branchenfremde Anbieter ausgelagert. Beispielsweise bauen Logistik- Dienstleister die Einzelteile von Autotüren zu funktionsfähigen Einheiten oder sogar ganze Fahrzeuge zusammen. Und im Textilbereich übernehmen häufig Großhändler oder Distributoren das Aufbereiten der Ware, bügeln die Kleidung auf und legen sie verkaufsfertig zusammen. RFID unterstützt und optimiert an mehreren Stellen der globalen Lieferketten: So stehen in funkchipgestützten Supply-Networks sämtliche Informationen über geschäftsrelevante Ereignisse den Beteiligten in Echzeit zur Verfügung. Es ist keine aufwändige manuelle Aufbereitung oder Auswertung von Informationen aus der Vergangenheit mehr erforderlich. Standardprozesse können automatisiert und die Durchlaufzeiten und Kosten drastisch reduziert werden. Zudem wird die Fehlerquote, die bei manuellen Prozessen meist relativ hoch ist, deutlich gesenkt. Insgesamt steigt dadurch die Qualität der Logistikprozesse erheblich, was wiederum die Marktposition der beteiligten Unternehmen und die Zufriedenheit ihrer Kunden verbessert.
In Echtzeit alles im Blick
Zudem können Unternehmen, die über exakte Informationen zu Eingang, Ausgang und Bearbeitungsstatus ihrer Zulieferungen in den einzelnen Stationen der Wertschöpfungskette verfügen, bei Ausnahmesituationen rechtzeitig agieren anstatt nur noch Schadensbegrenzung zu betreiben. Durch Echtzeit-Informationen können proaktiv optimale Warenpuffer angelegt werden, die einerseits Lieferverzögerungen ausgleichen, andererseits aber auch die Ressourcenbindung auf das minimal notwendige Maß begrenzen. Bei kurzfristigen, regionalen Nachfrageschwankungen, etwa witterungsbedingtem Zusatzbedarf spezieller Textilien in bestimmten Gebieten, können die entsprechenden Steuerungsinformationen frühzeitig in den Logistikprozess einfließen und die Distribution der neuen Situation anpassen.
Schwachstellen vermeiden
Ein weiterer Aspekt, der für die funkenden Chips spricht, ist die Kontrolle der Warenströme. Wenn zu jedem Zeitpunkt erkennbar ist, wo die eigenen Güter sein sollten und wo sie tatsächlich sind, kann auf Abweichungen unmittelbar reagiert werden. Dies gilt bei Schwachstellen im Prozess, aber auch bei Produktdiebstahl, der aufgrund der vorliegenden Real-Time-Information umgehend aufgedeckt und rasch unterbunden werden kann. Weitere illegale Optionen in komplexen Lieferketten sind Produktfälschungen oder verdeckter Einsatz von qualitativ minderwertigen Komponenten. Ist jedoch durch die RFID-Technologie auf Artikelebene die Rückverfolgbarkeit der Produkte oder Produktbestandteile sicher gestellt, haben derartige Aktivitäten keine Erfolgsaussichten mehr.
Komplexe Wertschöpfungsketten
Auch wenn die Vorteile von RFID-gestützten Supply-Networks offensichtlich sind, werden diese bisher lediglich bei einigen besonders innovationsfreudigen Unternehmen implementiert. Gründe dafür sind unter anderem, dass die benötigte UHF Gen2-Technologie erst seit etwa 2006 in einer geschäftstauglichen Form zur Verfügung steht. Außerdem werden die Kosten häufig noch als zu hoch angesehen und viele Unternehmen sind in ganz unterschiedliche Wertschöpfungsketten eingebunden. So bedient ein Automobilzulieferer in der Regel nicht nur einen Kunden, sondern mehrere Hersteller. Die meisten Produzenten von Textilien oder elektronischen Geräten liefern an verschiedene Einzelhandelsketten. Deshalb sind üblicherweise die Anforderungen an die auszutauschenden Informationen in den unterschiedlichen Supply- Chains unterschiedlich ausgeprägt. Wenn ein Unternehmen diese verschiedenartigen Anforderungen umsetzen wollte, würde ein nicht unerheblicher Bedarf an zusätzlichen Kosten und Ressourcen entstehen.
Ganzheitliche Auto ID-Services
Wenn aber die RFID-Technologie flächendeckend genutzt werden soll, sind Überlegungen gefragt, wie diese Einstiegshürden abgebaut werden können. Eine Möglichkeit sind Betreibermodelle für die RFID-Infrastruktur, die von neutralen, das heißt nicht selbst an den betroffenen Lieferketten teilnehmenden Anbietern, zur Verfügung gestellt werden. Vergleichbar dem IT-Outsourcing bietet der Betreiber von der Installation über die Wartung bis hin zu einer Kommunikationsplattform zum Austausch der relevanten Informationen in den gewünschten Formaten den kompletten Betrieb der RFID-Infrastruktur an. Solche Betreibermodelle schaffen optimale Voraussetzungen für den RFID-Einsatz in komplexen Strukturen. Den einzelnen Partnern wird unabhängig von ihrem IT-Know-how und von den vorhandenen IT-Ressourcen ein einfacher Einstieg in die Technologie ermöglicht, da der Betreiber Implementierung und Wartung inklusive 24-Stunden-Service vollständig übernimmt.
Investitionshürden meistern
Dies bedeutet auch, dass neue Partner, etwa wechselnde Produktionsstandorte oder neue Zulieferer, flexibel und kurzfristig eingebunden werden können. Nachfrageschwankungen oder Kostensteigerungen an einzelnen Produktionsstätten können somit umgehend berücksichtigt werden. Die geschäftsrelevanten Informationen werden über die gemeinsame Kommunikationsplattform so aufbereitet, dass die einzelnen Unternehmen diese in Echtzeit in ihren IT-Systemen weiterverarbeiten können. Die Beteiligten an einem solchen RFID-Betreibermodell haben jeweils nur einen Partner für die Informationsverteilung und Aufbereitung – auch bei wechselnden Kunden oder Lieferanten, so dass hier keine zusätzlichen Abhängigkeiten entstehen. Nicht zuletzt reduziert ein Betreibermodell auch die erste Investitionshürde deutlich. Denn statt hoher Anfangsinvestitionen werden die Leistungen individuell nach Nutzung abgerechnet – vergleichbar mit Telekommunikationsunternehmen. Dank der Betreibermodelle mit ihren flexiblen Service- und Abrechnungsmodellen ist das Investitionsrisiko überschaubar, die RFID-Infrastruktur im Rahmen von ganzheitlichen Services für die automatische Identifizierung bereit gestellt und die Vernetzung garantiert.
Volker Klaas ist Leiter des Global Competence Center AutoID/RFID bei Siemens IT Solutions and Services.
volker.klaas(at)siemens.com
www.siemens.de/rfid
Globale Lieferketten beherrschen


Psion, Pionier im Bereich mobiler Handheld-Computer, stellt seine Produkte und Lösungen vom 13. bis 15. März 2012 auf der LogiMAT, der internationalen Fachmesse für Distribution, Material- und Informa...