
Hochleistung in Serie
Hohe Kosteneffizienz, 1A-Produkt- und Servicequalität, hundertprozentige Rückverfolgbarkeit – die Unternehmen in Industrie und Handel stehen unter hohem Leistungsdruck. Zuverlässige Identifikationssysteme und leistungsfähige Datenträger auf Produkten, Gütern und Transporteinheiten schaffen die Basis für den automatischen Datenaustausch und gewährleisten den Zugriff auf geschäftsrelevante Informationen an jedem Punkt der Prozesskette. Doch welche Technologie eignet sich für welches Unternehmen? GS1 DataBar, GS1 DataMatrix oder EPC/RFID - für die Anforderungen in unterschiedlichen Anwendungsbereichen existieren verschiedene Kennzeichnungsarten.
Veröffentlicht: Juliausgabe 2009 "RFID im Blick"
Die GS1-Datenträger der neuen Generation eignen sich für Produkte und Objekte, die bisher nur schwer oder gar nicht zu codieren und zu scannen waren. Das betrifft in erster Linie lose und mengenvariable Waren wie Obst und Gemüse, aber auch Kleinstprodukte, insbesondere in der Medizin und Elektronik. Da die Codes neben der Artikelnummer weitere Zusatzinformationen, etwa eine Seriennummer, speichern können, sind diese auch für andere Branchen zunehmend interessant. Luxusartikel, Kfz- Ersatzteile, Motoren oder auch Gepäckstücke: Die Serialisierung macht aus Massenprodukten Einzelstücke, die sich problemlos authentifizieren und zurückverfolgen lassen. Ein sicherer Plagiatschutz ist zum einen aus betriebswirtschaftlicher Sicht geboten - allein durch Produktfälschungen gehen den Unternehmen weltweit rund 300 Milliarden Euro jährlich verloren. Zum anderen
tragen eindeutig identifizierbare Produkte zur Sicherheit der Verbraucher bei: Die Barcode- und RFID-Technologien basieren auf den international gültigen GS1-Artikelidentnummern. Diese gestalten die Lieferkette transparent und schützen vor gefälschten Medikamenten ebenso wie vor schadhaften Lebensmitteln.
GS1 DataBar: Für höhere Ansprüche am PoS
33 Jahre nach Einführung des Barcode in Deutschland wurde der GS1 DataBar im Handel als zusätzlicher Standard am Point of Sale zugelassen. Vor allem bei losen und mengenvariablen Artikeln im Frischebereich stößt der klassische Barcode an seine Grenzen, denn dieser speichert ausschließlich die Globale Artikelidentnummer (GTIN). Wichtige Zusatzinformationen wie etwa der Preis pro Kilogramm oder das Mindesthaltbarkeitsdatum können so nicht verschlüsselt werden. Die Folge: Weltweit existieren bis heute zahllose, nicht abgestimmte Behelfslösungen zur Kennzeichnung von Obst, Gemüse, Fleisch oder Käse. Vielfach müssen die Angaben noch aufwändig anhand von Preislisten manuell erfasst werden. Hier soll der GS1 DataBar Abhilfe schaffen und Codierungslücken schließen. Dieser ist in der Lage, auf wenig Raum Artikelnummer plus variable Mengenangaben abzubilden. Insgesamt können bis zu 74 numerische und 41 alphabetische Zeichen omnidirektional verschlüsselt werden. Bei gleicher Datenmenge beansprucht dieser bis zu 60 Prozent weniger Platz als der herkömmliche Strichcode.
Rückverfolgbarkeit inklusive
Anders als der EAN-13-Strichode ermöglicht der GS1 DataBar die Codierung einer Seriennummer. Dabei wird die Globale Artikelidentnummer GTIN um eine vom Hersteller vergebene Serialnummer ergänzt. So ist jede einzelne Produkteinheit identifizierbar. Die serialisierte GTIN ermöglicht die lückenlose Rückverfolgung einzelner Produkte und sorgt beispielsweise dafür, dass am Point of Sale nur solche Produkte reklamiert oder umgetauscht werden können, die tatsächlich dort gekauft wurden. Darüber hinaus optimiert der GS1 DataBar die Abläufe beim Einsatz von Coupons für Promotions. Statt der bisher häufig verwendeten zwei Barcodes auf einem Coupon reicht künftig ein komprimierter GS1 DataBar aus, um sämtliche relevanten Daten zu speichern.
GS1 DataMatrix – das Platzwunder im Quadrat
Ganz neue Branchen und Anwendungsbereiche jenseits des klassischen Einzelhandels erschließt GS1 Germany mit dem GS1 DataMatrix. Dabei handelt es sich um eine zweidimensionale Matrixsymbologie, die ursprünglich bereits Mitte der 90er Jahre entwickelt wurde. Zum Auslesen dieser Codes sind 2D-Bildscanner oder Kamerasysteme erforderlich. In der Pharmaindustrie und Medizintechnik, aber auch in vielen industriellen Anwendungen und Vorstufensektoren bildet GS1 DataMatrix die Grundlage für ein weltweit einheitliches GS1-Identifikations- und Kommunikationssystem. Der Informationsaustausch in einem offenen, für alle Beteiligten verständlichen Datenformat bietet bei einer zunehmenden Vernetzung der globalen Wertschöpfungsketten einen Vorteil gegenüber isolierten Insellösungen.
Ein Code für schwierige Aufgaben
Der GS1 DataMatrix ist so klein, dass mit diesem jede Packung und jede Produkteinheit eindeutig gekennzeichnet werden kann. Neben der kompakten Ausführung bietet der GS1 DataMatrix den Vorteil, dass dieser nahezu für alle Druckverfahren geeignet ist und relativ kostengünstig auf die Produktpackungen aufgebracht werden kann. Zudem besteht die Möglichkeit der Direktkennzeichnung: Die Artikelidentnummer wird dauerhaft mit einem Produkt verbunden. Darüber hinaus ermöglicht auch der GS1 DataMatrix die Codierung einer Seriennummer und schützt vor Plagiaten und Fälschungen. Bei Luxusgütern lassen sich damit wirtschaftliche Schäden vermeiden, bei Medikamenten oder Autoersatzteilen unter Umständen Gefahren für Leib und Leben abwenden.
Sicherheit auf ganzer Linie
Besonders interessant ist die Serialisierung im Gesundheitssektor. Stichwort Patientensicherheit: Der GS1 DataMatrix macht es möglich, einem Patienten Medikamente auch auf Stückbasis sicher zuzuordnen. Auf kleinstem Platz können die notwendigen Informationen wie Artikelidentnummer, Charge und Verfallsdatum dargestellt werden. Zum anderen bietet sich der GS1 DataMatrix an, um chirurgische Instrumente per Nadelprägung oder Laser direkt
zu markieren. Eine eindeutige Kennzeichnung von Skalpellen oder Scheren erlaubt die exakte Verfolgbarkeit der Instrumente auch innerhalb des Krankenhausbetriebes.
Schlüssel zur vollautomatischen Lieferkette
Ein hoher Automatisierungsgrad der Value-Chain lässt sich mit dem Elektronischen Produkt-Code EPC erzielen. Besonders bei komplexen Prozessanforderungen hat sich der Standard als Gesamtkonzept zur Optimierung logistischer Ketten bewährt. Mit der sicht- und kontaktlosen Datenübertragung mittels elektromagnetischer Wellen können beliebig viele Objekte ohne manuelles Eingreifen erfasst werden. In der Transportlogistik, in der Lagerhaltung, der Prozesssteuerung und bei der Qualitätssicherung erzielen Anwender bereits heute deutliche Einsparungen.
Mit RFID-Lesegeräten ausgestattete Wareneingangstore beschleunigen beispielsweise die Vereinahmung von Lieferungen um ein Vielfaches. Ganze Paletten werden in Sekundenschnelle ausgelesen und im Warenwirtschaftssystem vollautomatisch verbucht.
Weltweite Akzeptanz
Welches System letztlich zum Einsatz kommt, hängt von der konkreten Prozessanforderung, Datenmenge und Produktgröße ab. Allen GS1-Datenträgern liegt das gleiche international etablierte Nummerierungsschema von GS1 zugrunde. Die Kompatibilität von GS1 DataBar, GS1 DataMatrix und EPC/RFID schafft hohe Investitionssicherheit und wichtigen Bestandsschutz für die Unternehmen.
Wer heute optische Strichcode- oder 2D-Symbologien nutzt, kann beispielsweise relativ problemlos auf Transponder umsteigen; dies erfordert lediglich den Wechsel des Datenträgers. Um den Technologietransfer branchen- und länderübergreifend zusätzlich abzusichern, werden die technischen Spezifikationen der GS1-Datenträger auch als ISO-Norm definiert.
GS1-Datenträger: Erweitertes Leistungsspektrum und neue Anwendungsfelder
