Die Qualität der Nachkommen in der Schweineproduktion hängt schon lange nicht mehr vom Zufall ab. Um Landwirten hochwertige Ebergenetik zu liefern, setzt die Genossenschaft zur Förderung der Schweinehaltung (GFS) im Münsterland eine mobile RFID-Lösung zur Erfassung von Daten zur Zuchtwertschätzung ein. Diese geben beispielsweise Aufschluss über die Schlachtkörper- und Mastleistung sowie Fleischqualitätskriterien der Nachkommen der Zuchteber.
Veröffentlicht: Septemberausgabe 2009 "RFID im Blick"
Manuellen Aufwand reduzieren
Für die Spermagewinnung sind auf fünf Stationen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt etwa 1 750 Eber im Einsatz. Die GFS kennzeichnet heute alle Jungtiere mit RFID-Tags in Form elektronischer Ohrmarken. Diese enthalten Informationen über die leiblichen Eltern, das Geschlecht des Tieres, das Alter bei der Schlachtreife, die Schlachtkörperleistung und die Fleischqualitätskriterien. Um valide Zuchtwerte für die einzelnen Vatertiere berechnen zu können, müssen mindestens 30 Nachkommen jedes Ebers getestet werden. Zu diesem Zweck werden jedes Jahr rund 50 000 Ferkel auf 23 Ferkelerzeugerbetrieben mit RFID-Tags gekennzeichnet.
Statt der bisherigen aufwändigen Papierdokumentation erfolgt die Erfassung der Daten über mobile Handheld- Computer Workabout Pro G2 von Psion Teklogix mit von Definitiv! Business Applications integrierten RFID-Readern Agrident AIR200. Mit Hilfe einer Spezial-Software erfolgt die Zuordnung des Ferkels zu seiner jeweiligen Abstammung. „Die Datenqualität und die Effizienz der Datenerfassungsprozesse hat sich durch die mobilen Handheld-Computer deutlich erhöht“, konstatiert Meike Friedrichs von der GFS.
Mobile Zuchtwerterfassung
Zudem erhält die GFS Aufschluss über alle erhobenen Schlachtkörpermerkmale wie beispielsweise besonders hohe Mageroder Bauchfleischanteile. Die Bewertung der einzelnen Schweine führt schlussendlich anhand von Indizes und Punktwerten zur Bezahlung des Landwirtes. Die Klassifizierungsdaten des Schlachtbetriebes werden abschließend wieder in die Eberdatenbank der GFS übertragen. „Zurzeit beruht der Zuchtwert unserer Tiere auf durchschnittlich 68 geprüften Nachkommen – 30 sind Pflicht“, sagt Friedrichs. Auf Basis der Zuchtwerte werden die Eber in drei Kategorien eingeteilt: Top-Genetik, Qualitätsklasse und unteres Drittel. Letztere werden nicht mehr für die Zucht verwendet und gegen neue Tiere ausgetauscht.
Gesundheitsdaten erfassen
Per Dockingstation und Internetzugang werden alle Daten vom Betrieb zentral auf einem Server bei der GFS verknüpft. Durch den Einsatz des RFID-Readers ist es zudem möglich, einzelne Tiere für die Fütterung oder ärztliche Behandlung zu selektieren. Durch weitere Software-Applikationen, beispielsweise agrarwirtschaftliche Management-Software wie Sauenplaner, lässt sich auch dokumentieren, wann einzelne Sauen belegt sind, wann sie ferkeln, ob sie medikamentöse Behandlungen erhalten und ob sie beziehungsweise ihre Nachkommen Anomalien aufweisen.
In Zukunft denkt die GFS darüber nach, weitere Informationen mit Hilfe der RFID-Transponder mit den Tieren zu verknüpfen. Hierzu gehört beispielsweise die kontinuierliche Erfassung und Auswertung von Gewichtsdaten sowie Pläne für die Fütterung und Medikamentierung einzelner Schweine. „Die Anzahl und Art der Daten ist hier im Grunde unbegrenzt“, schließt Peter Rütter, Geschäftsführer von Definitiv! Business Applications ab.
Genossenschaft für Schweinehaltung erfasst Zuchtdaten mobil
