Werner Phillips, Imtech Telecom
Gerade mittelständischen Unternehmen fällt die Investitionsentscheidung für ein RFID-System schwer. Oft fehlt es an Zeit, Ideen oder den notwendigen Mitteln, eine RFID-Investition durchzuplanen. Dies zumindest meint Werner Phillips, Projektleiter bei dem Düsseldofer Dienstleister Imtech Telecom. Die Kenntnis der Prozesse und die Möglichkeiten einer Anschubfinanzierung sind nur einige Maßnahmen, damit keine Investitionslawine entsteht.
Veröffentlicht: Septemberausgabe 2009 "RFID im Blick"
Herr Phillips, „RFID ist zu teuer“, lautet ein weit verbreitetes Argument. Was sagen Sie dazu?
Wie alle Argumente ist dies aus meiner Sicht zu kurzfristig gedacht. RFID ist keine Technik um der Technik willen, sondern nur ein Hilfsmittel. Die Frage ist ja: Kann ich mit der gleichen Kapazität meine Prozesse verbessern oder sogar Teile einsparen? Die Kosten müssen immer im Verhältnis zu dem stehen, was die Technologie bringt. Ein extremes Beispiel: Wenn beispielsweise ein Fruchtsafthersteller 280 Millionen Becher für einen Cent pro RFID-Label nur aus „Goodwill“ für die nachfolgende Handelskette taggt, sind das 2,8 Millionen Euro. In diesem Fall rechnet sich RFID natürlich nicht. Wenn ich nur ein Label draufklebe, und RFID nur als notwendiges Übel betrachte, ist RFID zu teuer. Im Handelsbereich ist die Struktur grundsätzlich zu teuer. Im industriellen Einsatz wird in Prozessoptimierungen investiert, aber oft eine Investitionslawine losgetreten, die nicht ganz unerheblich ist. Es fallen Investitionen in Strukturen, Mitarbeiterschulung, Hard- und Softwareanpassungen et cetera an. Demgegenüber steht jedoch ganz klar eine Verschlankung der Prozesse und damit eine Kosteneinsparung. Doch diese Gleichung wird oft nicht aufgestellt.
Warum fällt Unternehmen die Investitionsentscheidung für eine RFID-Lösung so schwer?
Zum einem wird meiner Ansicht nach auf der kaufmännischen Ebene noch zu wenig darüber nachgedacht, wo sich der RFID-Einsatz für das Unternehmen rechnet. Viele Unternehmen stecken den Kopf zu früh in den Sand. Zum anderen mangelt es zuweilen an einer übergeordneten Strategie, bei der alle Abteilungen die Vorteile der RFID-Technologie sehen. Wenn dies nicht der Fall ist, entstehen interdisziplinäre Grabenkämpfe nach dem Motto „Brauche ich nicht, will ich nicht“. Statt in der IT-Abteilung sollte die unternehmerische Investitionsentscheidung auf Entscheidungsebene, der Produktionsplanung oder Kostenrechnung, getroffen werden. Häufig scheitert die Planung jedoch an dem Zeitaufwand, die gesamte Kette durchzuspielen, an Fachkenntnis, aber auch an Ideen, welche Optimierungsmöglichkeiten eine RFID-Lösung bieten könnte. Und natürlich schrecken Unternehmen vor den entstehenden Kosten zurück.
Welche Finanzierungsmodelle für eine RFID-Investition gibt es?
Natürlich ist Liquidität gerade in der derzeitig schwierigen Wirtschaftslage ein Thema. Zur Finanzierung bieten sich Kreditierungsmöglichkeiten, aber auch staatliche Hilfen an. Die wenigsten Unternehmen wissen jedoch, dass es Fördermittel von Banken gibt, die beispielsweise eine Zusammenarbeit mit den regionalen Landesförderinstituten pflegen, und Gelder für Investitionen im Innovationsbereich bereitstellen. Dies können teilweise Zuschüsse sein, teilweise auch langfristige Kredite, die „Die Kosten-Nutzen-Gleichung wird oft nicht aufgestellt“ anders geprüft werden, als dies Banken tun. Bei der Entscheidung für eine Abschreibung über 10 Jahre bieten sich Leasingsmöglichkeiten an, die ebenfalls über einen bestimmten Kreditrahmen laufen, welche Firmen bei ihren Banken haben. Viele Unternehmen schöpfen diese Möglichkeiten jedoch nicht aus, insbesondere was staatliche Hilfen oder Förderprogramme betrifft, die seitens der EU oder der Bundesregierung ausgeschrieben werden. Speziell mittelständische Firmen werden oft wenig beraten oder scheuen den Aufwand, Fördergelder zu beantragen.
Was würden Sie aus Beratersicht vor allem mittelständischen Unternehmen empfehlen, wenn sie sich eine RFID-Lösung anschaffen wollen?
Die Frage lautet: Warum will ich RFID einsetzen? Ist es ein Muss, da ich vom Abnehmer dazu gezwungen werde oder erziele ich durch die Implementierung einen eigenen Wettbewerbsvorteil? Ich kann gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen nur empfehlen, sich bewusst mit den Vorteilen auseinander zu setzen. Wie kann ich wirtschaftlicher werden? Wie sind meine Prozesse? Wo kann ich die Kontrollmöglichkeit, sprich RFID, einsetzen? Genau da liegt das Potenzial. Ich kann kostengünstiger produzieren oder neue Dienstleistungen anbieten und damit wettbewerbsfähiger werden. Oft werden Bilanzen gedreht, anstatt an die betriebliche Leistung zu gehen. Möglichkeiten gibt es viele, und sei es nur dass man den Lagerbestand mittels mobiler Inventur einspart, statt studentische Aushilfen für aufwändige manuelle Prozesse zu beschäftigen. Mein Plädoyer lautet daher: Die eigenen Prozesse betrachten. Um es bildlich auszudrücken: Manchmal ist es sinnvoller, wenn der Schreiner Zeit investiert, seine Säge zu schärfen, anstatt mit dem stumpfen Blatt munter drauflos zu sägen.
Herr Phillips, vielen Dank für das Gespräch.
„Die Kosten-Nutzen-Gleichung wird oft nicht aufgestellt“
