Dr. André Mannel, Dematic GmbH, zur technologischen Zukunft des Lagers
Veröffentlicht: Septemberausgabe 2009 "RFID im Blick"
Lagerung und Kommissionierung stellen das Herzstück so gut wie jeder Materialfluss- und Distributionstätigkeit dar. Wie sieht das Lager der Zukunft Ihrer Ansicht nach technologisch aus?
Dr. André Mannel: Hier ist zu differenzieren nach der Größe des Lagers beziehungsweise dem Grad der Automatisierung. In kleineren und mittleren Lägern wird zukünftig eine funk- und onlinebasierte Kommissionierung zum Standard zählen. In vielen Fällen wird dabei – wie auch heute schon – sprachunterstützt (Pick-by-Voice) oder signalunterstützt (Pick-by-Light) kommissioniert. In größeren Lägern, in denen der Automatisierungsgrad teilweise auch heute schon recht hoch ist, geht der Trend zu hochdynamischen und skalierbaren Systemen, die eine sequenzgerechte Bereitstellung erlauben. Insgesamt werden die Themen Identifi kation und Datenaustausch im Lager weiter an Bedeutung gewinnen, um den gestiegenen Anforderungen an die Transparenz bei Lagerbeständen und einem zeitoptimierten Lieferservice gerecht zu werden.
Inwiefern müssen herkömmliche Lager-Konzepte überdacht werden? Was kennzeichnet die logistischen Abläufe eines hochautomatisierten Lagers nach dem aktuellen Stand der Technik?
Dr. André Mannel: Marktentwicklungen, wie ein ausgeprägtes Artikelwachstum und heterogene Auftragsstrukturen, führen zu kleineren Losgrößen und erfordern damit neue Konzepte im Bereich von Lagerung und Kommissionierung. Automatische Hochregallagersysteme für Europaletten werden auch weiterhin Einsatz finden – jedoch auch höhere Anforderungen an die Anzahl der Stellplätze sowie die Ein- und Auslagerungsleistungen zu bedienen haben. In einem Lagerkonzept mit weitestgehender Automatisierung werden die Paletten nach der Auslagerung aus dem Hochregallager heute vielfach automatisch depalettiert und mittels Behälterfördertechnik einem automatischen Kleinteilelager (AKL) zugeführt. Als flexible Kommissioniervorzone oder als Puffer für bereits kommissionierte Ware bietet sich darüber hinaus der Einsatz von shuttlebedienten Lagerbereichen an. Mit diesen schienengebundenen Fahrzeugen wie dem Dematic Multishuttle, welche mit einem Lastaufnahmemittel zur Behälterauf- und -abgabe ausgerüstet sind, und die sich entweder in der Gasse auf verschiedenen Ebenen bewegen können oder jeweils für den Transport von Behältern auf einer Ebene zuständig sind, lassen sich Lagerkonzepte mit höchstmöglichem Durchsatz und skalierbarer Kapazität umsetzen.
Dr. André Mannel: Eine reibungsfreie Logistik lässt sich am besten durch eine Optimierung der Schnittstellen erreichen. Dies heißt zum einen die Anzahl der vorhandenen Schnittstellen zu minimieren und zum anderen die unvermeidbaren Schnittstellen zu optimieren. Beispielsweise lässt sich die Schnittstelle in der Kommissionierung zwischen dem Kommissionierer und der Auftragssteuerung, welche konventionell durch papierbasierte Kommissionierlisten abgebildet wird, durch die Verwendung von Online-Handterminals oder Pick-by-Voice-Systemen wesentlich effizienter gestalten.
Durch ein überlagertes intelligentes IT-System – in der Regel wird dies ein Lagerverwaltungssystem wie der DC Director sein – kann zudem der gesamte Materialfl uss im Lager gesteuert und visualisiert werden. Nur in Verbindung von IT und fördertechnischen Komponenten wie Regalbedienbediengeräten lässt sich dann auch die geforderte hohe Durchgangsleistung erreichen. Werden die komplexen Abläufe im Lager dagegen jedoch nur unzureichend abgebildet, können einzelne Optimierungen nicht zum gewünschten Ziel führen. Die Auswahl des Lagerverwaltungssystems sollte daher mit besonderer Sorgfalt erfolgen.
Aus welchen Gründen lohnt sich die Investition in die Aufrüstung eines Lagers, beispielsweise mit hochmoderner Lager- und Regaltechnologie zusammen mit einer automatisierten Materialfluss-Lösung?
Dr. André Mannel: Vor dem Hintergrund globalisierter Märkte und zunehmender Konkurrenz aus Niedriglohnländern ist vor allem eine Verbesserung der Kostenposition eines der wesentlichen Ziele jeder Lager optimierung. Neben dem effizienten Einsatz von Arbeitskräften durch weitgehende Automatisierung geht es dabei auch immer um eine Erhöhung der Liquidität durch eine Optimierung der Lagerbestände. Dies kann nur erreicht werden durch eine Transparenz der Prozesse und Bestände sowie bestmögliches Ineinandergreifen der Abläufe im Lager. Insbesondere bei den heute üblichen kleinen Losgrößen können die geforderten kurzen Durchlauf- und Lieferzeiten nur erreicht werden durch den Einsatz von hochdynamischen Materialfl usssystemen, die eine sequenzgerechte Bereitstellung erlauben.
Welchen Beitrag können Technologien wie RFID für eine marktorientierte und wettbewerbsfähige Lagerlogistik Ihrer Meinung nach leisten?
Dr. André Mannel: Eine moderne Logistik ist ohne Identifi kationstechnik nicht möglich. Die Wahl der Technologie ist aus Anwendersicht nachrangig, es geht zunächst um eine Prozessoptimierung. Insbesondere durch RFID ergeben sich durch die speziellen Eigenschaften der Technologie neue Möglichkeiten, die zu effi zienteren und kostenoptimierten Prozessen führen. RFID wird in der Lagerlogistik in Zukunft vor allem durch die Möglichkeiten der dezentralen Datenspeicherung auf dem Transponderchip und der Pulkerfassung einer großen Anzahl von logistischen Objekten mehr Bedeutung gewinnen. Deutlich spürbar ist das schon heute an der Anzahl der umgesetzten Anwendungen mit RFID und dem unverändert hohen Interesse der Logistiker an dieser Technologie.
„Kleinere Einheiten erfordern neue Lagerkonzepte“


Psion, Pionier im Bereich mobiler Handheld-Computer, stellt seine Produkte und Lösungen vom 13. bis 15. März 2012 auf der LogiMAT, der internationalen Fachmesse für Distribution, Material- und Informa...