Skalierbare Baukastensysteme
Die Verzahnung logistischer Prozesse wird immer enger. Der Informationsfluss wird zum entscheidenden Baustein für eine effiziente Prozesssteuerung und RFID bietet die ideale Basistechnologie. Das zumindest meint Karl-Ewald Junge, Business Development Manager, pco. „Je chaotischer die Prozesse, desto höher das Automatisierungspotenzial durch RFID“, lautet die Einschätzung des Fachmanns. Entscheidend ist das Konzept für die IT-Integration in die Prozesslandschaft, wie zwei kürzlich abgeschlossene Projekte in der Produktionslogistik und der Baustellenlogistik zeigen.
Veröffentlicht: Oktoberausgabe 2009 "RFID im Blick"
Intelligente Verladetore
Um die durchgängige Verfolgung von Karbonfaserprodukten auf entsprechenden Gestellen sicherzustellen, hat das Unternehmen Saertex im Jahr 2009 mit dem Projektpartner pco eine automatische Verladekontrolle an zwei Verladetoren erprobt. Zielsetzung ist eine Optimierung der Prozesssicherheit und eine Gestellverwaltung auf Basis der RFID-Technologie. Die Erhöhung der Prozesssicherheit wird erreicht, indem das Fertigprodukt in dem letzten Arbeitsgang ein RFID Smartlabel mit den notwendigen Informationen erhält. Durch die Intelligenz des Verladetores wird sichergestellt, dass der entsprechende Kundenauftrag an dem korrekten Versandtor dem richtigen Logistikdienstleister übergeben wird. Ein Rollout der Lösung ist für Ende 2009/Anfang 2010 geplant. Der Versand der Karbonfaserprodukte erfolgt in Metallgestellen, welche während des innerbetrieblichen Transports auf Gabelstaplern und bei der finalen Verladung auf den Gestellen verbleiben. Der bisherige Prozess sah keine Kontrolle der Gestelle vor, sodass durch ausbleibende Gestelle ein Produktionsengpass entstehen konnte, beziehungsweise eine Neubestellung von Gestellen erforderlich machte.
Module steuern Warenfluss
Durch das Taggen jedes Gestells mit einem RFID-Container-Tag – Intermec IT67 -, wurde jedem Gestell eine eindeutige Nummer zugeordnet. Um einerseits die Kommunikation mit der RFID-Infrastruktur und andererseits die erforderlichen Server- und Clientapplikationen sicherzustellen, ist unterhalb des eingesetzten ERP-Systems auf Basis von AS/400 der von pco entwickelte AutoID Server installiert worden. Ein wesentlicher Bestandteil der
Clientapplikation bildet das Modul pcoLog. Die Gestellnummer wird über ein ebensolches Modul automatisch einem Auftrag zugeordnet. Somit wird in der Auftragskundenrelation festgehalten, welche Gestelle welcher Kunde erhalten wird. Ein zusätzliches Software-Modul erzeugt ein Smart Label, welches mittels eines RFID-Druckers auf die umwickelten Karbonfaserprodukte appliziert wird.
Drag-and-Drop-Client für korrekte Zuordnung
Die erzeugten Lieferscheine werden aus dem ERP-System an den AutoID Server übergeben. Dieser filtert die Auftragsdaten und liefert dem Disponenten die notwendigen Informationen. Eine grafische Abbildung der anstehenden Lieferscheine und die damit verbundenen Auslieferungen im Bereich des Versandes wird über die Applikation pcoLog gewährleistet, indem mittels Drag-and-Drop die Lieferscheine termingerecht auf das jeweilige Verladetor gezogen werden. Vor der endgültigen Verladung durchfahren die Objekte ein RFID-Gate, welches mit einem integriertem Bewegungssensor, einer Hupe und einem LED-Lichtband ausgestattet ist. Die Daten werden dort auf ihre Gültigkeit hin überprüft und sichergestellt, dass eine korrekte Verladung der Gestelle vorliegt.
Ausweitung auf Produktionslogistik
„Ein Projekt, welches sich anschließt, ist das Thema der Produktionslogistik. Seitens Saertex werden mit den Top-Lieferanten Gespräche geführt, dass die jeweilige Rohware bereits getaggt angeliefert wird. Hieraus ergibt sich eine Optimierung im Bereich des Wareneingangs. Des Weiteren ist dies die Basis, um die Rohwarenentnahme für die Produktion zu optimieren“, so Junge. Das durchgeführte Projekt führte laut Aussagen des Unternehmens zu einer erhöhten Prozesssicherheit. Ein weiterer Mehrwert ist die Gestellverwaltung und Verfolgung. Geplant sei eine Anbindung aller Verladetore.
Der aus Standard-Modulen aufgebaute AutoID-Server von pco kam nicht nur bei der automatischen Verladekontrolle bei Saertex zum Einsatz, sondern ist auch Bestandteil einer Zutrittskontrolle des Baulogistikers Streif. Die Projekte unterscheiden sich dahingehend, dass beim Unternehmen Streif ein autarkes System installiert wurde, welches keine Kommunikation mit weiteren ERP-Systemen benötigt.
RFID-Einsatz auf Großbaustellen
Um die Prozesslandschaft von Großbaustellen zu optimieren, hat das Unternehmen Streif Baulogistik im Rahmen eines Pilotprojektes zwei Baustellen mit RFID-Technologie ausgerüstet. Die Zutrittskontrolle für 15 Container wurden mit UHF-fähigen Drehsperreneinheiten ausgestattet, welche mit entsprechenden RFID-Ausweiskarten betretbar sind. Ziel ist es, dass jeder Baucontainer eine unabhängige logische Einheit bildet und die Zutrittskontrolle und Personensicherheit auf der Baustelle optimiert wird. Großbaustellen verfügen über mehrere Zutrittsmöglichkeiten über Baucontainer. Um diese Baustellen betreten zu können, müssen die jeweiligen Personen sich beim Zutritt registrieren sowie überprüft werden, ob die entsprechende Schutzausrüstung angelegt wurde.
Modifizierte Drehsperrenkreuze
Das Unternehmen pco hat mit dem Schrankensystemhersteller Rawie sowie den Partnern Intermec und Microplex die entsprechenden Drehsperrenkreuze in den Containern mit UHF-Antennen ausgestattet. Jede Drehsperreneinheit hat eine eigene Intelligenz, bestehend aus der RFID-Hardware, einem WEB I/O-Interface und für die autarke Steuerung einen embedded PC. Der Baucontainer selbst verfügt über eine IT-Infrastruktur bestehend aus PC mit Webcam und angeschlossenem RFID-Reader des Partners Intermec.
Über die Webcam muss sich jeder Mitarbeiter, der die Baustelle betreten möchte, ablichten lassen. Zudem werden seine persönlichen Daten, sowie die sozialversicherungsrechtlichen Komponenten aufgenommen und diese einem Gewerk zugeordnet. Aus Basis dieser Daten wird ein personalisierter Baustellenausweis mit integriertem RFID-Smart Label erzeugt. Mit diesem Ausweis wird festgelegt, welche Bereiche der jeweilige Mitarbeiter betreten darf und welche nicht.
Steuerung über Web I/O-Interface
Die Steuerung der Drehkreuze erfolgt softwaretechnisch über ein Web I/O-Interface, welches alle Steuerungsmechanismen beinhaltet. Erfasst wird das Signal nach Drehung des Drehkreuzes und nicht das Signal, welches durch das Event des Baustellenausweises generiert wird. Dadurch wird beispielsweise erkannt, wenn ein Mitarbeiter seine Legitimation nutzt, die Schranke freigegeben wird, er aber die Schranke letztendlich nicht passiert. „Das System bei Streif ist ein autarkes System, bei welchem keine Kommunikation mit Drittsystemen wie beispielsweise SAP stattfindet. Es beinhaltet alle relevanten Stammdaten für den Baustellenzutritt, wie beispielsweise Angaben über die Gewerke und die damit verbundenen Mitarbeiter beziehungsweise Nachunternehmer. Ebenfalls werden die zutrittsrelevanten Daten wie Arbeitserlaubnis oder für welchen Zeitraum der Zutritt auf der Baustelle erlaubt ist sowie weitere Sicherheitsvorkehrungen gesteuert“, so Junge. Der Rollout bezüglich der RFID-fähigen Baucontainer sei für Ende dieses Jahres vorgesehen. Geplant sei eine Ausweitung der Technologie auch auf die Baustellenfahrzeuge- und -werkzeuge, um ein transparentes Asset-Management auf Großbaustellen zu ermöglichen.
Standardisierte Prozesse auf Baustellen möglich?
„Wenn wir von Großbaustellen sprechen, dann reden wir von einer chaotischen Prozesslandschaft. Je chaotischer die Prozesse laufen, desto höher schätze ich das Potenzial der Optimierung auf Basis der RFID-Technologie für solche Projekte ein“, lautet die Einschätzung von Junge. Dazu, ob sich Prozesse auf Baustellen grundsätzlich standardisieren lassen, sagt Junge: „Möglich ist dies, wenn Baustellen unter dem Gesichtspunkt einer Just-in-time-Belieferung betrachtet werden, wie dies beispielsweise auch in der Automobilindustrie der Fall ist.
Andererseits ist jede Baustelle ein Unikat und die Prozesse sind immer verschieden. Ich denke die Wahrheit liegt wie immer genau dazwischen und insofern kann man mit Sicherheit einen Teil der Prozesse standardisieren also optimieren. Als Basistechnologie ist RFID einfach ideal.“
RFID bietet die ideale Basistechnologie für eine effiziente Prozesssteuerung

