Flexibilität in der Lieferkette
Mobile Geräte, die Informationstechnologie orts- und zeitunabhängig nutzen können, haben den Sprung in die RFID-Welt vollzogen. Die Einsatzmöglichkeiten reichen von der Kommissionierung über die mobile Inventur bis zu Lieferservices. „RFID im Blick“ sprach mit Lothar Struckmeier, Geschäftsführer Marketing, und Oliver Warn, Sales Manager, Nordic ID, über aktuelle Praxisprojekte, Potenziale und Trends.
Unterschiedlichste Projekte in der textilen Logistik haben aktuell belegt, dass sich Prozessoptimierungen durch den Einsatz von RFID in der Wertschöpfungskette realisieren lassen. Welche Vorteile bieten RFID-basierte mobile Computer in den jeweiligen logistischen Prozessen?
Struckmeier: Zwei grundlegende Kriterien sind hier entscheidend: Geschwindigkeit und Genauigkeit. Daher eignen sich mobile Computer in allen Prozessschritten einer Lieferkette von der Verheiratung der Ware in der Produktionsstätte über die Wareneingangskontrolle bis zum Einsatz in der Filiale, beispielsweise in der Kommissionierung, bei der Artikelsuche und speziell bei der Inventur. Bestes Beispiel für beschleunigte Abläufe ist die Inventur in der Düsseldorfer Herrenabteilung von Karstadt.
Vor Einführung der RFID-Lösung dauerte die manuelle Inventur zwei Tage, mit der RFID-Lösung und mobilen Handhelds ist eine Bestandsaufnahme in ein bis zwei Stunden möglich. Durch das Schwenken der Handhelds über die Ware und die damit verbundene 100-prozentige Lesegenauigkeit lassen sich Inventuren „on the fly“ durchführen.
Erwarten Sie aus den Erfahrungen bezüglich des RFID-Einsatzes im Textilsektor einen Push für anderen Branchen?
Struckmeier: Ich kann mir gut vorstellen, dass auch andere Branchen von diesen Erfahrungen profitieren. Allerdings gilt es Bereiche zu identifizieren, in denen sich die Wirtschaftlichkeit genauso einfach darstellen lässt wie im Textilbereich. Die textile Logistikkette ist prädestiniert für den Einsatz der Transpondertechnik. Der Warenwert rechtfertigt die Kosten. Zudem ist der Einsatz von RFID in Verbindung mit Stoff technologisch unkritisch, da bei diesem Material keine Störeinflüsse auftreten.
Wie hoch ist schätzungsweise der Anteil Mobilcomputer-basierter Anwendungen in der Intralogistik ?
Warn: Meiner Einschätzung nach beträgt der Anteil mobiler Anwendungen in der Intralogistik in Deutschland rund 50 Prozent. Man darf nicht vergessen, dass viele mittelständische Unternehmen immer noch mit Zettel und Stift arbeiten. Das Potenzial mobiler Anwendungen für die Automatisierung von Prozessen ist also noch lange nicht ausgeschöpft.
Welches Potenzial sehen Sie für den Einsatz von RFID-Handhelds im Bereich Poolsysteme?
Struckmeier: Wir arbeiten aktuell an einem Projekt bei Container Centralen. Die im Unternehmenspool vorhandenen 3,5 Millionen Trolleys sollen komplett mit RFID-Tags ausgestattet und mit mobilen Handhelds protokolliert werden. Eingesetzt wird ein Gerät auf Basis des PL3000, welches UHF und GPRS kombiniert. Mit diesem Handheld ist es den Poolkunden möglich, auf einen zentralen Datenbestand von Container Centralen zuzugreifen. Bis Jahresende liefern wir im Rahmen eines Pilotprojekts die ersten 200 Geräte an die Teilnehmer aus. Ab 1. Februar 2010 ist der Rollout geplant.
Warn: Ich sehe - gerade in diesem speziellen Fall - für mobile Handhelds einen enormen Vorteil gegenüber stationären Reader-Gates. Erstens sind Gates unflexibel, zweitens lassen sie sich nicht bei jedem Blumenhändler installieren. Dieses Projekt zeigt, dass RFID massentauglich ist. Wer hätte vor drei Jahren gedacht, dass
ein Blumenhändler Berührung mit RFID bekommt. Ich denke, dass bald eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit der RFID-Technologie eintreten wird, die bereits beim Barcode existiert.
Stichwort Multifunktionalität: Verschiedene Technologien, beispielsweise Datenerfassung in Verbindung mit Sprachkommunikation, VoIP oder Monitoring, verschmelzen immer mehr im Bereich mobiler Geräte. Welche technologischen Weiterentwicklungen fokussieren Sie?
Warn: Wir bauen unsere Hardware-Plattform dahingehend aus, dass andere Technologien unterstützt und miteinander verbunden werden. Beispielsweise integrieren wir GSM-Telefonie in den Morphic, um auch im Telefonbereich eine völlige Unabhängigkeit von Infrastrukturen zu erzielen. Das Gerät vereint somit die Handytechnologie mit integriertem Barcodescanner und UHF-Leser. Es ist geplant, diese Plattform auch auf den PL3000 zu übertragen. Wir erhoffen uns nicht nur den Markt der Intralogistik zu erschließen, sondern beispielsweise auch den Bereich der Lieferservices.
Um den Empfang RFID-getaggter Ware zu protokollieren, ist es notwendig, dass das Gerät Transponder auslesen kann, über Handyoptionen verfügt und gleichzeitig die empfangenen Daten mit GPRS an die Zentrale hochladen kann. Diese Funktionalitäten verbinden wird in einem Gerät.
Herr Struckmeier, Herr Warn, vielen Dank für das Gespräch.
Mobile Computer ermöglichen Datenerfassung „on the fly“


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