Automatisierung von der Ausleihe bis zur Rückgabe
Wie automatische Inventuren, Diebstahlsicherungen und Vorsortierungen den Prozess in Bibliotheken optimieren können, erläutert Andreas Löw, Marketing-Leiter bei Feig Electronic, gegenüber „RFID im Blick“.
Herr Löw, wie erfolgt in Bibliotheken eine RFID-gestützte Vorsortierung?
Um für zurückgegebene Medien eine Aufgliederung vorzunehmen, kommen Sortiersysteme zum Einsatz. Der Kunde gibt das ausgeliehene Medium, ähnlich einem Nachtresor einer Bank, durch eine Klappe zurück. In der Klappe ist eine RFID-Antenne montiert, welche das Medium ausliest. Daraufhin steuert der Zentralrechner das sich an die Klappe anschließende Förderband (bei sehr großen Bibliotheken können das auch mehrere Förderbänder sein), um es an jenen Ort zu transportieren, an dem Medien der gleichen Thematik beziehungsweise Klassifizierung gesammelt werden. Dadurch wird den Mitarbeitern der Bibliothek die Rückführung der zurückgegebenen Medien in die entsprechenden Regale erheblich erleichtert.
Mit welcher Technologie erfolgt eine automatische Inventur?
Die Inventur erfolgt in Bibliotheken durch den Einsatz mobiler RFID-Geräte. Dies sind zumeist Handheld-Geräte mit Bluetooth- Schnittstelle oder Readereinheiten mit angeschlossener externer Antenne. Der Mitarbeiter der Bibliothek geht damit entlang der Regale, um alle mit Transpondern versehenen Medien zu erfassen und zu identifizieren. Diese Vorgehensweise wird der technisch optimalen Lösung, dem Einsatz sogenannter „Smart Shelfs“ (alle Regale sind mit Antennen versehen, die ohne jegliches Zutun der Mitarbeiter alle Medien permanent erfassen und identifizieren), wegen der geringeren Kosten vielfach vorgezogen.
Welche technologische Anforderung müssen Tags und Reader erfüllen, um in Bibliotheken eingesetzt werden zu können?
Die dominierende Frequenz für den Einsatz in Bibliotheken ist 13,56 MHz. Die in den Büchern integrierten Transponder sind zumeist scheckkartengroß und entsprechen der Norm ISO15693. Diese Tags müssen für den Einsatz in Bibliotheken optimal abgestimmt werden, da Buchdeckel eine optimale Identifikation ebenso erschweren können wie die Medien, die beim Ausbuchen am terminal übereinander liegen oder bei einer Inventur im Regall nebeneinander stehen Um die Schwierigkeit der Überdeckung zu entschärfen werden Transponder vielfach nicht immer an demselben Ort im Buch aufgebracht; diese Technik nennt man „Zufälliges Positionieren der Transponder“ (Randomly Positioned Tags). Die verwendeten Reader müssen in erster Linie eine Pulkerfassung gewährleisten. Die Antennen-Gates an den Ausgängen müssen so gestaltet und abgestimmt sein, dass die Lesereichweite für eine 3D-Erfassung maximiert wird.
RFID-Lesesysteme von Feig kommen beispielsweise in der Queen‘s Library in New York, in der Münchner Stadtbibliothek oder der Bibliothek der TFH Wildau in Brandenburg zum Einsatz. Bitte skizzieren Sie diesen Prozess.
Jeder Besucher verfügt über einen Mitgliedsausweis, der einen Transponder enthält. Nachdem der Besucher die gewünschten Medien gefunden hat, begibt er sich damit an ein Selbstausbuchungsterminal. Zunächst identifiziert er sich mittels Mitgliedsausweis, dann legt er alle Medien gleichzeitig auf die dafür vorgesehene und markierte Fläche. Die darunter angeordnete Antenne erfasst die Medien; sie werden dem Besucher als „Ausgeliehen“ zugeordnet und der Reader schreibt zudem noch die Information „Ausgebucht“ auf die Tags. Nicht ordnungsgemäß ausgebuchte Medien lösen an den Gates einen entsprechenden Alarm aus. Das Buch wird bei der Rückgabe, unabhängig von den Öffnungszeiten der Bibliothek, von außen durch eine Klappe geschoben. Dabei wird der Tag ausgelesen, das Konto des Besuchers entlastet (oder es wird eine Zusatzgebühr erhoben, falls die Leihzeit überschritten wurde) und dem Sortiersystem die entscheidende Information gegeben, an welchem Ort das Medium bis zur endgültigen Platzierung in die Regale der Bibliothek verbleiben soll.
Welcher Nutzen ergibt sich für die Bibliotheken?
Der Nutzen der RFID-Technologie kommt dabei sowohl Besuchern als auch Betreibern zugute. Die Besucher können selbstständig ausleihen und zurückgeben ohne sich in lange Schlangen einreihen zu müssen. Die Rückgabe ist zudem nicht an die Öffnungszeiten der Bibliothek gebunden. Auch die Betreiber brauchen keine zeitraubenden Verwaltungstätigkeiten durch das Führen von Ausgabe- und Rückgabelisten mehr durchzuführen. Stattdessen stehen sie mit ihrem Fachwissen den Besuchern zur Verfügung, um genau jene Medien aufzufinden, die gewünscht werden. Der Einsatz der RFID-Technologie sorgt also für eine klassische „Win-win-Situation“.
Automatisierung in Bibliotheken mittels RFID von FEIG


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