Heiko Tiedmann sprach mit „RFID im Blick“ über Source-Tagging und die wirtschaftlichen Potenziale von RFID zur Warensicherung und Bestandsoptimierung im Textilbereich.
Gedrucktes Einnähetikett mit RFID-Tag
Die Printshops von Avery Dennison übernehmen die Belieferung der globalen Produktionsstätten und stellen den Kunden das Datenmanagement zur Verfügung. Vor Ort werden die Etiketten bereits programmiert an den Produzenten geliefert. „Zusätzlich werden variable Daten, sprich klassische Pflegeinformationen auf dem Label mitgedruckt, sodass der Konfektionär die Etiketten richtig einbringen kann“, erläutert Tiedmann.
Avery Dennison hat dazu einen speziellen RFID-Drucker entwickelt, der zweiseitig und waschbeständig auf Textilband drucken kann. „Das Etikett selbst ist fast so weich wie ein normales Care-Label, übersteht bis zu zwei Haushaltswäschen beziehungsweise eine chemische Reinigung, bis die Kleidung im Handel ist, und kann im Prozess nicht abgerissen werden.“ Ein eingenähtes Etikett sei zudem als Diebstahlschutz sicherer, da es vorsätzlich mit einer Schere herausgeschnitten werden müsste. „Der Tag ist jedoch so integriert, dass er herausgetrennt werden kann, ohne die Pflegehinweise zu entfernen. Der Kunde wird sogar explizit im Laden und auf dem Label dazu aufgefordert, den Tag zu entfernen“, betont Tiedmann.
Klares Plädoyer für das Source-Tagging
„RFID rechnet sich bereits ab der Quelle“, so Tiedmann und formuliert ein klares Plädoyer für Source-Tagging. Zwei Faktoren entfallen, das Auspacken der Ware zum Nachtaggen und die Anbringungskosten. Bei Mehrweg-Warensicherungselementen (EAS-Hardtags) liegen diese zwischen 12 und 25 Cent. Durch falsches Anbringen der Nägel von EAS-Tags wird laut dem Experten zudem immer wieder Ware beschädigt, sodass diese nicht mehr zum vollen Preis verkauft werden kann. Als weiteren wesentlichen Aspekt sieht Tiedmann, dass sourcegetaggte Ware direkt ins Regal gelegt werden kann. „Wenn Ware im Backoffice liegen bleibt, ist dies totes Kapital. Im Geschäft bleiben Fächer leer, weil die Ware noch nicht gesichert ist, oder die Ware geht ungesichert auf die Fläche. Ein Teufelskreis für den Händler.“
RFID - einheitliches System zur Warensicherung
„EAS ist aus unserer Sicht der Durchbruch für RFID. Denn es ermöglicht die Nutzung von Source-Tagging. Bisher konnten laut dem Business Development Manager nur vertikal integrierte Händler mit RF-EAS sourcetaggen. Händler wie Gerry Weber müssten dem einen Händler EM-, dem anderen RF- und dem dritten AM-Tags liefern. Ein Kombi-Tag mit herkömmlichen Sicherungssystemen sei nicht möglich, da sich EM und AM nicht vertragen. Mit RFID hat man erstmals die Möglichkeit, zukünftig ein System und nicht drei konkurrierende einzusetzen. Selbst bei gemischter Ladenstruktur werden die bestehenden Systeme nicht gestört.“ Eine neue Richtlinie von EPC-global, an der Avery Dennison mitgearbeitet hat, verfolgt den Ansatz, verschiedene Methoden zu spezifi zieren, die Störungen der Systeme vermeiden. „Der Trend geht ganz klar dahin, dass zukünftig alle Anbieter RFID als Warensicherung einsetzen werden. Viele Kunden von uns betrachten das RF-Source-Tagging als Vorstufe zu RFID. Wir sind derzeit mit weiteren namhaften Kunden im Gespräch, die über ähnliche Lösungen nachdenken.“
Bestandsgenauigkeit steigert Wirtschaftlichkeit
Wirtschaftliche Potenziale sieht Heiko Tiedmann aktuell vor allem durch die erhöhte Lagerbestandsgenauigkeit auf der Fläche. „Heute verkaufen Händler nach dem Prinzip künstlicher Verknappung. Mit RFID lassen sich Sicherungsbestände um 20 Prozent reduzieren“, weiß der RFID-Experte. „Nachweislich lässt sich die Lagerbestandsgenauigkeit von 80 auf 98 Prozent plus steigern. Wenn sich die Bestandsgenauigkeit um drei Prozent erhöht, steigt der Umsatz um ein Prozent. Kunden von uns konnten die Umsätze durch bessere Warenverfügbarkeit je nach Artikelgruppen um fünf bis zehn Prozent steigern. Der bedeutende britische Textilfi lialist Marks & Spencer, der seit 2003 eine RFID-Lösung von Avery Dennison nutzt, erwirtschaftete nach eigenen Angaben sogar ein Umsatzplus von 15 Prozent.“ Avery Dennison stellt nach eigenen Angaben derzeit rund 90 Prozent aller RFID-Tags im Bereich Bekleidung weltweit. Bei Seidensticker ist das Unternehmen mit vier Millionen Tags beteiligt. Weitere RFID-Projekte laufen bei American Apparel und dem Bekleidungshändler K&L Ruppert in Weilheim, an dessen Filiale das Unternehmen im Rahmen des Pilotprojektes rund 10 000 bis 20 000 Tags liefert.
„EAS ist der Durchbruch für RFID“


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