Auch kleine Händler können die Wirtschaftlichkeit mit Standard-RFID-Lösungen erhöhen
Differenzen bei Farben und Größen von Kleidungsstücken machen dem Textilhandel zu schaffen. Dies bedeutet für ein Modehaus nicht nur Umsatzverlust, sondern im schlimmsten Fall auch, dass Kunden wegbleiben, weil das gesuchte Kleidungsstück nicht verfügbar ist. „Die schnellsten Effekte können auch kleine und mittelständische Händler mit dem Einsatz von RFID im Bereich der Flächenbewirtschaftung erzielen“, sagt Robert Paulus, Senior Vice President, RF-iT Solutions.
Flächenmanagement bei K&L
Wie RFID-gestützte Retail-Prozesse die Bestandsgenauigkeit und damit die Wirtschaftlichkeit erhöhen können, erprobt das Grazer Unternehmen unter anderem aktuell in einem sechsmonatigem Pilotprojekt bei dem Bekleidungseinzelhändler K&L. Das Modehaus taggt Anzüge, Hosen, Sakkos und Mäntel seiner Herrenkonfektion in einer Referenzfiliale am zentralen Standort Weilheim. „Ziel ist es, die Liefer- und Bestandsgenauigkeit besonders von ‚Never out of Stock‘ (NOS)-Artikeln zu optimieren. Wenn Standardartikel wie weiße Hemden oder graue Anzüge nicht verfügbar sind, geht der Kunde wieder“, weiß Robert Paulus aus Erfahrung. RF-iT Solutions übernimmt in dem Projekt die Hardwareauswahl und Softwareanbindung. Die Etiketten von Avery Dennison sind klassische Hangtags, auf welche die RFID-Tags aufgeklebt sind. „Wenn nach Ende der Pilotphase im Sommer die Wirtschaftlichkeit nachgewiesen ist, planen wir die Lösung zügig für alle 64 K&L Häuser“, bestätigt Franz Bertusch, Abteilungsleiter Organisation/Revision, K&L. Umsatzsteigerungen verspricht sich das Unternehmen vor allem durch schnellere Inventuren sowie eine bessere Warenverfügbarkeit durch eine optimierte Nachschubversorgung und Vermeidung von Stock-outs. „Wenn sich diese Effekte bestätigen, wird auch diskutiert, RFID-Tags zusätzlich zum EAN-Etikett ab der Produktion einzusetzen und eventuell direkt in die Wäscheetiketten mit einzunähen“, so Bertusch.
Nutzeneffekte für die Nachschubsteuerung
Auf Basis der standardisierten IT-Lösung ließen sich laut dem Vertriebsleiter nicht nur Bestandsungenauigkeiten, sondern auch Pickfehler im Distributionszentrum eliminieren. „Die Datenqualität steigt damit rapide auf deutlich über 90 Prozent“, so Paulus. Die modular aufgebaute Software ermöglicht zudem Nachfüll- und Inventurreports. „Wird der RFID-Tag an der Kasse gelesen, kann der Händler noch am selben Tag einen Report erstellen und Ware nachschieben. Das heißt, Lücken werden reduziert und ein Stock-out von bisher vier bis fünf Tagen wird vermieden“, erläutert er weiter.
Anpassung per flexibler Middleware
Die modulare Middleware verfügt zudem über ein EDI-Modul, das flexibel auf das EDI-Mapping des jeweiligen Kunden reagieren kann. „Ein Problem ist, dass jeder Händler über ein anderes Mapping verfügt. Wenn beispielsweise ein Unternehmen wie Seidensticker EDI-Mappings von 100 Händlern anpassen muss, bedeutet dies einen Riesenaufwand.“ Dieser werde mit dem Modul vermieden, das individuell das EDI-Mapping beibehält und die EPC-Daten wie einen „Rucksack“ einfach mit überträgt. Ein Administrierungstool kann zusätzlich verschiedene Handhelds zentral managen. Werden Änderungen in den Warenschlüsseln vorgenommen, lassen sich die Handhelds automatisch updaten. Eine zentrale Monitoring-Suite informiert zudem per Alarm über die Funktionstüchtigkeit der mobilen Lesegeräte oder Gates im Distributionszentrum.
RFID mit Diebstahlsicherung kombinieren?
Den größten Nutzen der RFID-Technologie erwartet Paulus jedoch, wenn Flächenbewirtschaftung mit Diebstahlsicherung kombiniert werden. „Von uns durchgeführte ROI-Kalkulationen ergaben im Durchschnitt einen ROI zwischen 24 und 28 Monaten, wenn man sämtliche Hard- und Software-, Tag- und Implementierungskosten dem Benefit gegenüberstellt. Wird die EAS-Funktion inkludiert, verkürzt sich der ROI – je nach Durchschnittswertigkeit des Gutes – um rund 10 Monate. Bei 70 bis 75 Prozent Diebstahlsicherungsquote wäre RFID auch für große Retailer interessant. Wir führen momentan sehr intensive Gespräche mit einer ganzen Reihe von Bekleidungsherstellern und Händlern. Ich gehe daher davon aus, dass in dem nächsten halben Jahr einige namhafte Händler Projekte durchführen werden, die RFID mit Diebstahlsicherung kombinieren“, gibt der Senior Vice President einen Ausblick.
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