„Middleware ist traditionell zentralisiert.Typische AutoID-Prozesse sind es nicht.“
Von Frank Wernert, Produkt-Manager bei der Silverstroke GmbH
Im Gegenteil wird AutoID ja gerade eingesetzt, wenn Objekte – Güter, Behälter, Fahrzeuge, Gefahrenstoffe, Wertgegenstände oder andere – ihren Aufenthaltsort und/oder ihren Status verändern. Oder mittels mobilen Geräten überprüft werden sollen. Zentralität auf der einen und Mobilität auf der anderen Seite – das ist auf den ersten Blick schlecht vereinbar und daher Vorgabe für die Hauptanforderungen an Middleware in AutoID-Lösungen. Was zuerst zu der Frage führt, was RFID- oder besser AutoID-Middleware überhaupt ist. Einigkeit herrscht bezüglich ihrer Aufgabe, soll sie doch dabei helfen, die schiere Datenmenge zu verarbeiten und den ausgelesenen Rohdaten Sinn zu verleihen. Weniger einig ist sich die Fachwelt, was Middleware charakterisiert. Ist Middleware eine Edgeware, eine Software, eine Hardwareschicht? Und was tut sie tatsächlich, filtert sie Daten, führt sie Applikationen aus, überwacht und steuert sie Devices, also Geräte und Einheiten innerhalb der AutoID-Lösung? Oder alles zusammen?
Komplexität bleibt im Verborgenen
Damit stellt sich die Frage, an welcher Stelle sich die Middleware innerhalb der Lösungsarchitektur sinnvoller Weise platziert. „Wir haben uns an der klassischen Definition der Middleware orientiert“, sagt Frank Wernert dazu. „Demnach ist es Aufgabe der Middleware, so zwischen Anwendungen vermitteln, dass die Komplexität der Applikationen und ihrer Infrastruktur verborgen wird. Für die Anwender steht im Vordergrund, möglichst komfortabel Nutzen aus den gewonnen Daten zu ziehen, nicht die technische Infrastruktur, die das möglich macht.“ Deshalb hat die Silverstroke GmbH mit dem Produkt Tagpilot eine komplette AutoID-Lösung entwickelt, die ein Device Management, eine workfloworientierte Integrationsplattform – die Middleware – und Portal-Applikationen verbindet. Über das Device Management werden beliebige Daten erfasst, die Portal-Applikationen stellen die Anwendungen, mit denen die Kunden arbeiten, beispielsweise Behälter- oder Asset-Management. Die Middleware verleiht dem Wort „middle“ in doppelter Hinsicht Bedeutung: Sie vermittelt zwischen den Devices und den Anwendungen, und sie steht, wie die Abbildung oben illustriert, in der Mitte der Architektur. Als zentrale Integrationsplattform erfüllt sie folgende Aufgaben:
- Sie bearbeitet die Ereignisse („Events“) aus der Device-Management-Schicht
- Sie speichert alle relevanten Informationen persistent in einer Datenbank
- Sie interagiert mit den Applikationen im Backend
- Sie handhabt Objekte und Tags
- Sie ermöglicht der Applikationsschicht den Zugang zu Informationen
Warum so viele unterschiedliche Aufgaben, obwohl doch neue Generationen von Tags auch schon diverse Daten speichern können? Weil es eben für die Anwender nicht damit getan ist zu wissen, dass sich Behälter X mit Inhalt Y zum Zeitpunkt t in Halle Z befunden hat. Vielmehr möchten die Prozessverantwortlichen beispielsweise sehen, in welchem Zustand der Behälter ist (gereinigt, ungereinigt, in Reparatur), wie lange er schon in Halle Z ist, ob er vorher plangemäß in Halle W war und ob die verantwortlichen Mitarbeiter automatisch alarmiert werden, wenn er mit einem Inhalt Y befüllt sein sollte, mit dem er keinesfalls in Halle Z abgestellt werden darf.
Modularer Aufbau der Middleware
Komfortable Bedienbarkeit und Flexibilität
Was alle Anwendungen brauchen, ist eine einfache und komfortable Bedienbarkeit. Doch die erfordert einen umso anspruchsvolleren technischen Hintergrund. Als zentrale Einheit in dezentral ablaufenden Prozessen darf die Middleware wenig bis keine Einschränkungen hinsichtlich der Betriebsinfrastruktur machen. Das bezieht sich zum Beispiel auf die Datenbanken, mit denen die Middleware kommuniziert. Bei Tagpilot hat der „Hibernate Database Abstraction Layer“ Adapter für unterschiedliche Typen von Datenbanken unterschiedlicher Hersteller, zum Standard gehören Microsoft SQL Server 2005 und Oracle 10g. Das Event Handler Modul kommuniziert mit Backends wie SAP, Sun Java CAPS, Oracle, BEA und Messaging-Systemen wie Websphere MQ, Tibco, MS Exchange und anderen E-Mail-Servern. Grundsätzlich erforderlich ist auch die Flexibilität hinsichtlich der Betriebssysteme, auf denen die Middleware läuft, seien das nun Unix-, Windows- oder Linux-Derivate.
Verteilung eingehender Ereignisse
Damit die gewählte AutoID-Technologie frei wählbar ist, spielt technisch gesehen der „Applikation Event Handler“ in Tagpilot eine zentrale Rolle, wie die Abbildung unten illustriert. Er fungiert, anschaulich gesprochen, als eine Art Postzentrale, in der die eingehenden Daten registriert und nach bestimmten Kriterien weiterverteilt werden. Die eingehenden Ereignisse (Daten) können aus drei unterschiedlichen Quellen stammen. Es können also generische Objektereignisse sein, die der „Reader Abstraction Layer“ aus den Daten der technischen AutoID-Geräte – Tags, Barcodes, GPS-Daten etc. – erzeugt hat. Oder Daten, die via Mobile Device Server Adapter ankommen und ursprünglich mit mobilen Lesegeräten (MDE-Geräte, Mobiltelefone etc.) erfasst wurden. Oder Informationen, die über das Webservice Event Interface aus den Applikationen Dritter eintreffen.
Weiterverarbeitung der Daten
Beispiel Palettenidentifikation per RFID
Was so technisch klingt, hat sehr anschauliche Anwendungsbeispiele, etwa einen per GPS-überwachten Lkw, der eine Palette geladen hat, auf der sich diverse Waren befinden. Bei Tagpilot wird die Palette beispielsweise per RFID identifiziert, die Waren auf der Palette werden per Barcode-Scanner erfasst und mit der Palette in Beziehung gesetzt. Damit weiß Tagpilot, welche Waren sich auf welcher Palette befinden. Der Lkw trägt eine Box, die mittels GPS die aktuelle Position ermittelt und an Tagpilot sendet. Sobald die Palette verladen wird, wird sie auch mit dem Lkw in Beziehung gesetzt. Implizit werden damit auch alle Waren auf den Lkw „geladen“. In der logischen Folge werden Bewegungen des Lkw als Bewegungen der Waren erkannt, obwohl die Waren selbst nicht physikalisch erfasst werden. Tatsächlich ausgelesen wurden also ein RFID-Tag, einige Barcodes und GPS-Positionen von so unterschiedlichen Objekten wie einer Palette, Gegenständen und einem Lkw. Und am Ende können die Anwender an ihrem Bildschirm verfolgen, dass sich der Gegenstand mit Barcode X gerade auf der Autobahn in Richtung Ort Z befindet. Und das er seit zwei Stunden unterwegs ist. Und von wo er kommt. Und auf welcher Palette er steht, in welchem Lkw. Und, und, und.
Kurz: In AutoID-Lösungen macht Middleware wie Tagpilot aus Rohdaten gezielte, auswertbare Informationen. Denn dafür wurde AutoID entwickelt.


