„Integration ist das A und O“
Bei der Integration von RFID in Prozesse ist das Konzept entscheidend. Dieses beginnt nicht „von oben“, sondern fängt bereits auf der „unteren“ Steuerungsebene an. Nicht nur die Wahl der richtigen Transponder oder der Hardware ist dabei ausschlaggebend, sondern vor allem verlässliche Partner, die mit dem Prozess vertraut sind. Nur wer die Prozesse kennt, kann sie beherrschen und den richtigen Nutzen aus der RFID-Lösung ziehen.
Von Peter Schaffhausen
Ingenieursleistung, Softwareintegration und Prozess-Know-how sind Größen, die bei der Implementierung einer RFID-Automatisierungslösung heute oft außer Acht gelassen werden. RFID-Projekte, die ohne genaue Kenntnis der Prozesse, Ziele oder IT- und Steuerungssysteme aufgesetzt werden, führen zu unvorhergesehenen Problemen. Viele Fehler lassen sich jedoch vermeiden, wenn von vornherein die richtigen Partner hinzugezogen werden, welche nicht nur ein Konzept liefern, sondern auch die Systemintegration ebenso beherrschen wie die Steuerungstechnik und das Engineering.
Drei Ebenen der Systemhierarchie
Konzept ist entscheidend
Grundlegend sollte bei der Umsetzung eines RFID-Projektes am Anfang die Frage der genauen Zielsetzung stehen. Denn nur ein planvolles Vorgehen führt zum gewünschten Ziel. Ein RFID-Konzept baut sich wie folgt auf: Auf der untersten Ebene wird das Thema der Etikettenauswahl behandelt. Im Anschluss erfolgt die Entscheidung, ob mobile/stationäre Lesegeräte oder eine Gatelösung zum Einsatz kommen sollen. Bei der Entscheidung hinsichtlich Barcode- oder RFID-Einsatz ist eine zentrale Frage, ob im Prozess Sichtkontakt notwendig ist und ob die Daten nur gelesen oder auch im Prozess beschrieben werden sollen. Während sich der Barcode nur einmal beschreiben lässt, werden auf dem Transponder Prozessdaten gespeichert. Sollen lediglich Daten ausgelesen werden, ist eine Barcodelösung ausreichend. Daher wird RFID immer ein ergänzender Teil zum Barcode sein.
Kleine Lösung, große Wirkung
Wichtig ist es, zunächst die Prozesse, welche man automatisieren möchte, genau zu betrachten. Dabei muss es nicht immer der große Wurf sein. Zunächst lässt sich die Technologie auch in einem kleinen Bereich testen, ohne gleich das Gesamtsystem umstellen zu müssen. Manchmal genügt es, nur einen Teilprozess mit RFID zu automatisieren, und den Barcode und die RFID-Technologie im weiteren Prozess zu verheiraten. Oft ist es auch gar nicht notwendig, große Datenmengen auf den Transponder zu schreiben. Vielmehr lassen sich diese in einer Datenbank speichern. Die Verheiratung erfolgt dann über die alphanumerische Nummer des Transponders. Viele Unternehmen scheuen möglicherweise den Schritt, die neue Lösung auf dem bestehenden System aufzusetzen. Dies ist unbegründet, da die Hardware kompatibel ist. Heutzutage sind in jedem Gerät Ethernet und Profibusschnittstellen standardmäßig vorhanden. Daher ist es ausreichend, einen Prozess im kleinen Stil abzubilden, zu testen und im Anschluss zu erweitern. Dies ist durchaus machbar, ohne die Produktion zu stören oder sogar zu unterbrechen.
Middleware als Herzstück des RFID-Systems
Es gibt kein Konzept von der Stange
Ein viel debattierter Punkt sind nach wie vor die Kosten einer RFID-Lösung. Der Preis hängt dabei nicht allein vom Tag ab, der sich immer nach den Anforderungen richtet. So ist ein gekapselter Transponder teuer als ein normales Etikett. Daher sollte jedes Unternehmen überprüfen, in welchem Bereich der Einsatz Sinn macht: Welche Hardware soll zum Einsatz kommen? Auf welcher Frequenz soll gesendet werden? Welche Leseabstände werden benötigt? Zudem wird auch häufig die Software nicht als Kostenfaktor berücksichtigt. Will beispielsweise ein Spediteur sein Inventar mit Transpondern ausrüsten und mit einem mobilen Gerät auslesen, so ist es allein mit der Hardware nicht getan. Kommt beispielsweise der Wunsch zur Integration eines Operator Panels oder Zutrittssystems hinzu, wird die Lösung ungleich komplexer. Hier gehen Wunsch und Wirklichkeit zum Teil auseinander.
Wunsch kontra Wirklichkeit
Obwohl die technische Machbarkeit gegeben ist, bleiben viele Potenziale der RFID-Technologie ungenutzt. Ein großer Nutzen besteht beispielsweise in der Lebensmittelproduktion. Hier kann bei der Chargenrückverfolgung mittels der Technologie eine bessere Rückverfolgbarkeit hergestellt werden. Speziell im Behältermanagement in geschlossenen Kreisläufen rechnet sich eine RFID-Anwendung am ehesten, da nur eine einmalige Investition getätigt werden muss. Unerlässlich ist RFID für die Prozesssicherheit in der Lebensmittelproduktion. Ein Beispiel hierfür ist der Herstellungsprozess von Käse. In einer Käserei läuft der Käse aus Kasomaten in Presswannen und wird weiterverarbeitet. Um die Verfolgung und Reinheit des Käses sicherzustellen, ist es notwendig, die Behälter zu verfolgen. Wird nur ein Behälter entnommen, ändert sich die gesamte Reihenfolge. Mithilfe von RFID lassen sich diese Fehler vermeiden. Zudem ist der Einsatz zwingend notwendig, da aufgrund der Umgebungsbedingungen wie Feuchtigkeit Barcodes nicht einsetzbar sind.
Automatisiertes Behältermanagement
Das Hamburger Handelshaus Reyher, welches Verbindungs- und Befestigungselemente herstellt, hat beispielsweise auf Basis einer Softwarelösung von UCS das komplette Leerbehältermanagement-Systems mittels RFID-Technologie automatisiert. Die Behälter unterschiedlicher Größe werden nach der Rückkehr ins Lager zyklisch in einer automatischen Waschanlage gereinigt - mit Wasser, Seifenschaum und rotierenden Bürsten. Weitere Potenziale für RFID ergeben sich beispielsweise aber auch im Bereich der Produktion bei der Dokumentation von Lebensläufen und Wartungsintervallen von Maschinen, oder dem Palettenmanagement auf Freiflächen.
Durchgängigkeit ist wichtig
Wichtig bei der Realisierung einer Automatisierungslösung ist, Industriestandardkomponenten einzusetzen, da diese für den Kunden über einen Großhändler schnell verfügbar sind. Ist ein Gerät defekt, kann dieses schnell nachbestellt werden, da alle Daten über die technische Dokumentation mitgegeben werden. Werden viele unterschiedliche Fabrikate verwendet, ist dies möglicherweise für den Endkunden problematisch, da dieser auf die Lieferanten angewiesen ist und bei einem Defekt möglicherweise Stillstandzeiten der hochautomatisierten Anlagen riskiert. UCS setzt daher auf eine durchgängige Automatisierung mit Industriestandardkomponenten von namhaften Herstellern wie Siemens. Ein offenes System bedeutet zudem auch, dass die Softwaretechnik offen ausgelegt ist. Dies ist besonders wichtig, da mittlerweile der Trend dahin geht, Komponenten mit Profibus und Ethernet in dezentrale Steuerungen anzubinden.



