„Ansatzpunkt für neue Lösungen“
Auf der CeBIT vom 2. bis 6. März 2010 in Hannover stellte das Unternehmen Microsensys sein RFID-Implantat mit angeschlossenem Hirndrucksensor vor. „RFID im Blick“ traf Geschäftsführer und Technology Director Peter Peitsch im AutoID/RFID Solutions Park.
Herr Peitsch, Hirndrucksensorik und RFID – wie funktioniert das rein technisch?
Ein passiver, mit einem Sensor verbundener RFID-Transponder wird beim Patienten unter die Kopfhaut implantiert. Von außen liegt ein kleines Lesegerät auf der Haut, das mit HF-Technologie auf 13,56 MHz arbeitet. Das Lesegerät ist mit dem sogenannten Datalogger, also dem Terminal, an dem das medizinische Personal die Werte ablesen kann, verbunden und sendet ihm die gewünschten Informationen. Im einfachsten Fall kann das die ID sein; es können aber auch die Kalibrierdaten oder sensorisch erfasste Werte wie Temperatur oder Druck sein. Bei diesem Projekt geht es um den Druck. Das Entscheidende am Datalogger ist, dass er ständig den Druck überwacht und auch loggt, also die Werte aufzeichnet. Er hat zudem die Aufgabe, bei kritischen Werten optisch und akustisch Alarm zu geben. Die Grenzen, in denen der Druck liegen darf, sind im Gerät definiert und manuell einstellbar.
Was ist das Spektakuläre an dieser Anwendung?
Welche anderen Anwendungsbereiche halten Sie für wahrscheinlich?
Das Thema Telemetrie in der Medizin, wie wir es nennen, bietet viele denkbare Ansatzpunkte. Der Druck im Gehirn ist nur eine Information, die für Mediziner interessant ist. Es gibt noch viele andere Dinge, die man messen möchte. Beispielsweise haben viele Ärzte ein Interesse daran, Knochendehnungen von außen zu messen, ohne einen Draht einführen zu müssen.
Wie schätzen Sie die Marktchancen des Systems ein?
Da sind wir sehr optimistisch, wobei so eine Einführungsphase, bis die Mediziner überzeugt werden, ein oder zwei Jahre dauern kann. Wir werden nicht in kürzester Zeit den Markt damit aufmischen. Wenn aber die Tests erfolgreich verlaufen und die Mediziner Vertrauen zu dem System fassen, werden sicher noch weitere Märkte dafür entstehen. Wir verstehen das System als technische Lösung und als Ansatzpunkt für neue Lösungen. Da sehen wir ein großes Potenzial.
Herr Peitsch, vielen Dank für das Gespräch.
RFID-Implantat mit angeschlossenem Hirndrucksensor von Microsensys 

