Unseren Rasenmäher haben wir selbst im Griff. Das Auto bringen wir regelmäßig in die Werkstatt. Wie sieht es aber in Großanlagen und bei Versorgungsnetzen aus? Die Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches beispielsweise schreibt eine jährliche Prüfung des gesamten Netzes vor. Wie bei jeder Wartung ist es unabdingbar die Wartungspläne einzuhalten. Das heißt, nach einer bestimmten Laufzeit müssen definierte Punkte kontrolliert, abgeschmiert, getauscht, etc. werden. Bisher wurde das mit manuellen Einträgen und Häkchen auf Papier erledigt. Die Zukunft bringt aber deutlich mehr Funktionalität, Flexibilität und Sicherheit.
In Großanlagen sind alle Leitungen, Aggregate, Schieber, etc. mit entsprechender Beschilderung gekennzeichnet. Werden diese Schilder nun mit Transponder ausgestattet, was durchaus auch nachträglich erfolgen kann, so lassen sich die Tags für die automatische Erkennung des Wartungspunktes sowie die Kontrolle der durchzuführenden Wartungsschritte nutzen. Selbstverständlich ist es auch möglich, die Schieber, Kanalöffnungen usw. direkt mit Transpondern zu kennzeichnen.
Mobile RFID-Lösung bei den Stadtwerken Münster
Ein aktuelles Beispiel: Zur Wartung des rund 859 Kilometer langen unterirdischen Gasleitungs- und rund 100 Kilometer langen Fernwärmenetzes setzen die Stadtwerke Münster eine RFID-basierte Lösung ein. Aufgrund der positiven Erfahrung wird diese sukzessive erweitert, wie Urs Reitis, Gruppenleiter Betrieb Gas, Fernwärme und Contractinganlagen bei den Stadtwerken Münster, im Gespräch mit „RFID im Blick“ erklärt. Die Stadtwerke Münster, Träger der öffentlichen Versorgung der Stadt sowie Betreiber des münsterschen Hafens und der Straßenbeleuchtung, versorgen Geschäfts- und Privatkunden des Stadtgebiets mit Gas, Strom, Trinkwasser und Fernwärme sowie Verkehr.
Manuelle Listen sind dank RFID passé
Bereits vor zwei Jahren hat der lokale Energieversorger eine RFID-Lösung eingeführt, um die Dokumentation der Wartungsarbeiten entlang des Netzes zu vereinfachen. „Hintergrund ist, dass durch die Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches einmal im Jahr eine Prüfung des gesamten Netzes vorgesehen ist. Früher wurden sämtliche Wartungsarbeiten mittels Listen, teilweise mit manuellen Einträgen und Häkchen auf Papier, durchgeführt. Dies war nicht mehr zeitgemäß und der administrative Aufwand zu groß“, erläutert Reitis die Motivation.
400 Transponder auf über 800 Kilometern Gasnetz
Insgesamt sind im über 800 Kilometer langen Gasnetz 400 sogenannte Absperrarmaturen installiert. Alle 400 Armaturen sind mit einem Transponder ausgestattet. Dabei handelt es sich um sehr robuste Read-only-Tags, welche in die Straßenkappen der Armaturen hineingelegt beziehungsweise mittels eines Kabelbinders in diesen befestigt wurden. Auch für die rund 700 Armaturen des Fernwärme- Primärnetzes wird die Lösung bereits seit einem Jahr genutzt, wie Reitis erklärt. Die Dokumentation der Wartung erfolgt über herkömmliche Laptops, welche per USB-Anschluss mit einem zusätzlichen Lesegerät ausgestattet wurden, und auf denen eine speziell für die Stadtwerke programmierte Software installiert ist. Die Hard- und Software lieferte das Unternehmen Euro I.D. Identifikationssysteme mit Sitz in Weilerswist.
Software-basierte Wartungsdokumentation
Wird der Transponder gelesen, öffnet sich für die Schieberkontrolle im Fernwärmenetz beispielsweise folgendes Szenario:

Im Bereich Wartung kann der Vorgang sich so gestalten:

Objekt: Pumpe Filterstation 3
Wartung1: Lager schmieren
Wartung2: Lüfter reinigen
Wartung3: Filter kontrollieren
Hier werden dann, wie bei der Schieberkontrolle, die Wartungsschritte per „Abhaken“ bestätigt.
Bei Wartungsdetails sind folgende Zusatzinformationen vorstellbar:
Wartung1: Fettpresse mit Fett Typ „Schmiermaxe“
Wartung2: Staubsauger mit „Ex-Schutz“
Wartung3: Filtermatte Typ „Lang x Breit“
Zusätzlich lässt sich unter Wartungsdetails für Wartung1 vor Ort beispielsweise anzeigen „Fettpresse: 3 Umdrehungen“ oder ähnliches.
Bei Bedarf dienen diese Wartungsdetails auch schon bei der Vorbereitung der „Runde“ am Bildschirm. Dadurch wird sichergestellt, dass alle nötigen Materialien mitgenommen werden.
Die schwierigste Aufgabe wird sein, alle Details und Möglichkeiten für die einzelnen Objekte mit den Mitarbeitern zu erarbeiten. Das sollte zunächst für die oft wiederkehrenden Routinen geschehen, weil sich dort die größte Erleichterung ergibt. Danach muss die Erweiterung Schritt für Schritt erfolgen.
Selbstverständlich ist diese Technik auch im Bereich Reparatur einsetzbar, wie das folgende Schema beispielhaft zeigt:
Bei diesen Vorgehensweisen ergeben sich folgende Vorteile
- Detaillierte Vorbereitung der Wartung
- Automatische Erkennung des Wartungspunktes
- Automatische Erfassung von Datum/Uhrzeit der Wartung
- Automatischer Aufruf des Wartungsplanes gemäß abgelaufener Betriebszeit
- „Abhaken“ der einzelnen Schritte auf dem Terminal
- Warnung bei ausgelassenen Schritten
- Schnelles Erfassen von Standardfehlern
- Schnelles Erfassen der Standardschritte zur Fehlerbeseitigung
- Automatische Dokumentation freier Texte
- Automatische Erstellung des Prüfberichtes
- Auflistung der ausstehenden Wartungen
- etc.
In der digitalen Zukunft angekommen
Für die Stadtwerke Münster hat sich die Lösung so bewährt, dass bereits über eine Erweiterung nachgedacht wird: „Aufgrund der positiven Erfahrungen gibt es bereits Überlegungen, die Anwendung im Bereich Fernwärme auszuweiten, hier ist es denkbar, weitere 900 Armaturen mit Tags zu versehen“, gibt Reitis einen Ausblick. Die Vorteile der RFID-Lösung gegenüber der früheren manuellen Wartungsdokumentation liegen für ihn klar auf der Hand: „Dadurch erhalten wir eine viel bessere und schnellere Übersicht. Hinzu kommt, dass wir unserer Dokumentationspflicht viel einfacher als früher und heute nun auch digital nachkommen können“.
RFID-Lösung von Euro I.D. Identifikationssysteme durchleuchtet Wartung von Versorgungsnetzen
