Ralf Pfisterer, Produkt Marketing Manager RFID Systeme, Balluff, im Gespräch mit „RFID im Blick“
Balluff ist der Arbeitsgemeinschaft ‚Produkt- und Know-how-Schutz‘ (AG Protect) des VDMA beigetreten, die aktuell ihre Arbeit aufnimmt. Welchen Ansatz verfolgt die AG und was bringt Ihr Unternehmen ein?
Wir bringen uns insofern ein, als wir die Technologie zur Umsetzung des Plagiatschutzes bereitstellen. Wir sind uns bewusst, dass RFID kein Allheilmittel ist, sondern dass eine ganzheitliche Betrachtung von den rechtlichen Kriterien bis zur Aufklärung der betroffenen Unternehmens wesentlich ist. Um ein gesamtheitliches Paket zu schnüren und Unternehmen die konkreten Möglichkeiten entsprechend ihren Anforderungen aufzuzeigen, sind wir der AG beigetreten.
Welchen effektiven Beitrag kann RFID für den Produktschutz leisten?
Wir haben drei praktikable Vorschläge erarbeitet, wie RFID eingesetzt werden kann: als Passwortschutz, nur als Unique ID oder als Softwareschlüssel, der auf der Steuerungsebene hinterlegt wird. Die Kennzeichnung von Bau- oder Ersatzteilen mit einem herstellerspezifischen Tag kann in mehrfacher Hinsicht einen effektiven Schutz bieten. Es ist wichtig, die Leistungskriterien in der Applikation zu betrachten: Möchte ein Hersteller die Performance der Maschinen sicherstellen oder die Informationen nur in ein Logfile schreiben, um nach Ende der Gewährleistung aufzuzeigen, dass herstellerfremde Teile verwendet wurden? Oder macht es Sinn den Datenträger mit weiteren Informationen, beispielsweise Servicedaten, anzureichern?
Die jährlichen Umsatzverluste im deutschen Maschinen- und Anlagenbau durch Produktpiraterie belaufen sich laut VDMA auf mehrere Milliarden Euro. Wie setzt sich die Branche mit dieser Tatsache auseinander?
68 Prozent der 3000 VDMA-Mitglieder sind von Produktpiraterie betroffen. Der Verband reagiert darauf seit längerem mit unterschiedlichen Maßnahmen, wie der Kampagne ‚Pro-Original‘. Unsere Gespräche auf der Hannover Messe oder Euro ID haben gezeigt, dass Unternehmen das Thema Produktschutz für hochinteressant halten, aber nur ein geringer Teil sich tatsächlich aktiv damit auseinandergesetzt.
Woran liegt das Ihrer Ansicht nach? Und welcher Argumente bedarf es?
Das Wissen über die Technologie ist noch nicht in die Breite vorgedrungen. Vielen bereitet es Kopfzerbrechen, wie sie die Umsetzung stemmen sollen. Auf SPS-Ebene wissen die Machinenbauer aus meiner Sicht, wie sie die Daten handeln müssen. Wenn es allerdings um die Integration der Daten für Traceability in übergeordnete Systeme geht, ist professionelle Hilfe erforderlich. Sprich: Personen, die – von der Evaluierung über die Auswahl eines geeigneten Systems bis hin zur Inbetriebnahme und Integration – den Kunden an die Hand nehmen. Eine umfassende Kundenbetreuung bei Projekten wird daher in Zukunft eine noch größere Gewichtung bekommen.
Inwieweit kann das Thema Traceability auch ein Hebel dafür sein, weitere Potenziale der RFID-Technologie für die Automatisierungsoptimierung aufzuzeigen?
Alles, was dazu beiträgt, den Automatisierungsgrad und die Qualität durch Fehlervermeidung zu steigern, ist ein potenzielles Einsatzgebiet für RFID. Die Traceability von Bauteilen eignet sich sicherlich gut, auch weitere Vorteile aufzuzeigen. Vor drei bis fünf Jahren war es noch nahezu undenkbar, Produkte direkt zu kennzeichnen. Nun beflügeln sinkende Tag-Preise und immer kompaktere Bauformen diese Entwicklung. Ich bin sicher, dass im Maschinenbau der Knoten bald platzen wird und AutoID-Technologien großflächig auch in der Prozessautomation und Verpackungstechnik Anwendung finden. Zudem lassen sich Applikationen, welche der Maschinenbau bereits seit fünf oder sechs Jahren nutzt, jetzt auf andere Branchen übertragen. Hier sehe ich beispielsweise die Holz verarbeitende Industrie ganz vorn.
Plagiatschutz – ein Thema für den Maschinenbau?

Die Rodata Group AG und die Nordic ID haben ihre bisherige Zusammenarbeit nun auch vertraglich besiegelt. Rodata, führender und herstellerunabhängiger Systemintegrator für RFID und Barcode-Lösungen in...