Interview mit Thomas Hartmann, Markt- und Applikationsmanagement, Harting Technologiegruppe
RFID-Projekte werden immer komplexer. Wie können mittelständische Unternehmen diese Herausforderung meistern?
Die Integrationstiefe und Komplexität von RFID-Projekten wird künftig stetig zunehmen; als Folge steigen die Anforderungen an die Hard- und Softwaresysteme. Damit Unternehmen diesen komplexen Aufgaben gewachsen sind, bedarf es prozessorientierter AutoID-Plattformen. Plattformlösungen von großen Anbietern sind aufgrund hoher Lizenzkosten oft zu teuer für den Einstieg in kleine feine RFID-Lösungen. Proprietäre Einzellösungen können hingegen bei Erweiterung von Pilotprojekten hin zu größeren Rollout-Projekten an ihre Grenzen stoßen. Harting geht einen etwas anderen, neuen Ansatz. Wir wollen eine Plattform für das Geräte-Management anbieten, die Anwender unabhängig macht. Über diese Hardewareplattform können nicht nur Harting-Reader angebunden werden, sondern auch Geräte anderer Hersteller. So kann das für die Anwendung optimale Gerät in die Plattform eingebunden werden.
Was bedeutet dies für die Umsetzung von RFID-Projekten?
Der Trend wird sein, dass beispielsweise ein RFID-Projekt nicht mehr 100 000 Euro kostet, sondern vielleicht nur 60 000 Euro. Dafür wird es mehr Projekte geben, da nun auf einmal die ROI-Rechnungen der Unternehmen ganz anders ausfallen können. Für Integratoren fällt zunächst ein Wertschöpfungsanteil weg, dafür können sie möglicherweise aber fünf Projekte statt einem realisieren. Um Anwender zu überzeugen, in die Technologie zu investieren, heißt der Weg: Weg von Einzellösungen, hin zu wirklichen Systemlösungen mit verlässlicher Geräteanbindung auf der unteren Ebene. Wenn Anwender diese Hürde überspringen, wird sich der Gesamtaufwand verringern. Zurückblickend kann man sehen, dass auch die Automatisierungstechnik immer mehr in Plattformlösungen hineingewachsen ist. Genau diese parallele Entwicklung prophezeien wir für RFID.
Also eine stärkere Vernetzung?
Ja, klarer Trend wird ein zunehmender Integrationsgrad in die Geräteebene sein. Ein Beispiel dazu: Im Auto wurden die Navigationssysteme oder MP3-Player zunächst als Add-on-Geräte eingeführt. Anschließend in der nächsten Generation sind diese Geräte aber serienmäßig integriert. Daher werden in Zukunft auch Produktionsmaschinen über Interfaces beziehungsweise komplett angebundene Reader verfügen, die die AutoID-Funktionalität mitbringen. Ich bin mir sicher, dass Maschinenhersteller zukünftig in diese Richtung denken werden, denn sie können damit die heute nachträglich installierte AutoID-Infrastruktur besser und kostengünstiger in den Produktionsfluss integrieren. Die Synchronisierung des wirklichen Produktflusses im Betrieb und des zugehörigen Datenflusses (Auftragsbuchungen, Bestandsmeldungen, ERP-Rückmeldungen, etc.) kann mit RFID realisiert werden. Sind Materialfluss und Buchungsdaten synchron, können Kunden betriebswirtschaftliche Vorteile generieren. Wie lange es dauert, vermag ich nicht zu sagen, aber ich bin mir sicher dass sich der Trend durchsetzt.
„Der Weg heißt: Hin zu Systemlösungen“

Die Rodata Group AG und die Nordic ID haben ihre bisherige Zusammenarbeit nun auch vertraglich besiegelt. Rodata, führender und herstellerunabhängiger Systemintegrator für RFID und Barcode-Lösungen in...