„Erst das Ei, dann die Henne“
Wenn ein Produkt zu einem Massenprodukt wird, entsteht stets eine große Produktvielfalt mit unterschiedlichen Preisen. Auf dem Markt für RFID-Inlays herrscht eine solche Situation vor: Qualitätsprodukte mit höheren Preisen stehen Massenprodukten mit niedrigen Preisen gegenüber. Widerspricht das nicht dem Gedanken, dass RFID noch gar kein Massenmarkt ist?
Für Klaus Simonmeyer, Sales Manager bei Tagstar Systems spricht der Preisdruck auf manchen Sektoren eindeutig für einen Massenmarkt. Sobald Märkte bestimmte Volumina erreichten, wollten alle mitmachen. „Im Bibliothekensektor sind wir bei den einzelnen Ausschreibungen längst im zweistelligen Millionenbereich angekommen. An dieser Stelle beginnt der typische Preiskampf eines Massenmarkts“, sagte Simonmeyer. So werde jeder Markt früher oder später von der innovativen Einzelidee zum Ultra-Low Cost-Markt.
ÖPNV bleibt auf der Strecke
Aber auch andere RFID-Anwendungen adaptieren laut Simonmeyer heute schon ein Massenmarkt-Niveau. Nachhaltige Wertschöpfungsmöglichkeiten klängen bereits wieder aus: „Der Öffentliche Personennahverkehr war aus unserer Sicht vor ein bis zwei Jahren ein sehr interessanter Markt, hat sich nun aber zu einem reinen Billigstmarkt entwickelt, auf dem Qualität nicht mehr bezahlt wird. Daher wollen und können wir dort nicht mehr konkurrieren.“ Darin, dass dieser Sektor größtenteils von der öffentlichen Hand getragen wird und dadurch ein anderes Liquiditätspotenzial aufweist als ein Sektor voller Industrieunternehmen, sieht Simonmeyer keinen wesentlichen Hinderungsgrund. „Das Beispiel der Moskauer Metro kennt jeder: Die Betreiber haben sich die Maschinen, die normalerweise bei UPM, KSW oder bei uns stehen, einfach selbst gekauft, weil das bei der großen Menge am kostengünstigsten ist.“
Märkte werden überschätzt
In jedem Fall leidet die Qualität der RFID-Zwischen- und Endprodukte unter dem hohen Preisdruck. Das gilt auch für Märkte, auf denen ein großes Wachstum vermutet wird, das möglicherweise gar nicht existiert. Für Ramin Hassan, Geschäftsführer von Gera-Ident, ist der Handelssektor das beste Beispiel: „Die Volumina entsprechen auf diesem Feld nicht denen, über die man redet. Im Vergleich zum Bibliothekensektor oder zum ÖPNV sind sie winzig. Dennoch verfallen die Preise mindestens genauso stark. Viele Unternehmen haben das als Wachstumsmarkt eingeschätzt und versuchen, sich einen Platz in dem Markt zu sichern oder durch den Preisdruck den Markt erst zu schaffen. Wenn die Henne nicht da ist, muss eben zuerst das Ei her, sprich: der niedrige Preis.“ An dieser Stelle müsse man aber zwischen den unterschiedlichen Märkten unterscheiden. Der Markt im UHF-Bereich sei beispielsweise ein sensibles Thema für die Inlay-Hersteller, weil sich die Preise im Keller befänden.Nischen schaffen statt Massenmärkte bedienen
Mit bestehenden Massenapplikationen lässt sich, so Ramin Hassan, nicht viel Geld verdienen. Man müsse auf den Kunden und bestimmte Märkte eingehen, sich innovative Bereiche suchen, die nicht jeder ausfüllen kann, und die Stärken des Unternehmens herausstellen. „Auf diese Art und Weise kann man sich eine Nische schaffen. RFID ist ja selbst ein Nischenmarkt, aber auch innerhalb dieses Nischenmarktes bieten sich weitere Nischen. Unternehmen, die diese erfolgreich besetzen, werden letzten Endes erfolgreich sein.“
„Ist RFID noch kein Massenmarkt?“ - Tagstar Systems und Gera-Ident geben Einschätzung


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