Staplergerechte RFID-Systeme sind wesentliche Bausteine effizienter Lagersteuerungs- und Warenwirtschaftssysteme und steigern die Betriebssicherheit. Mit der Schreib-/Leseeinheit Interrogator RFH620/630 und standardisierten Transpondern in verschiedenen Bauformen bietet das Unternehmen Sick eine RFID-Systemlösung im Frequenzbereich 13,56 MHz für den rauen Staplerbetrieb an. Diese sorgt als Fahrer-Assistenzsystem für mehr Sicherheit in Schmalgängen und auf den Fahrwegen.
Von Daniel Thomas
Risiko im Lager: Anfahrunfälle
RFID-Systeme auf Staplerfahrzeugen sorgen für Prozesstransparenz, Flexibilität und vermeiden Fehler in Lagerabläufen. Die Effizienz des Staplerbetriebs hängt davon ab, wie viele Transportfahrten in definierten Zeiteinheiten durchgeführt werden können. Zeit ist Geld und Effizienz letztlich eine Frage von Geschwindigkeit, optimierten Fahrwegen und Fahrzeugbewegungen sowie von Verfügbarkeit. Der daraus resultierende Zeitdruck ist eine häufige Ursache für Anfahrunfälle. Stapler kollidieren mit Personen, anderen Staplern, Lagereinrichtungen oder Gebäudeteilen. Laut Untersuchungen der BGHW (Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution) machen Anfahrunfälle bei Flurförderzeugen mit Fahrersitz 40 Prozent aller Unfälle dieses Berufsfeldes aus. Anlagenbetreiber und Berufsgenossenschaften sind an neuen Lösungsansätzen interessiert Diese sollen die üblichen technischen und organisatorischen Maßnahmen wie die Verwendung von Fahrersicht-optimierten Staplern, Panoramaspiegeln in Kreuzungsbereichen oder Warnwesten für Personen in der Anlage sinnvoll ergänzen.
Robuste Alternative zu optischen Kodierungen
Die RFID-Technologie – auf vielen Staplerfahrzeugen aus Gründen der Waren- und Stellplatzidentifikation oft ohnehin an Bord oder als Option verfügbar – wird von Experten als ein sinnvoller Lösungsansatz eingestuft. Ihr großer Vorteil gegenüber optischen Markierungen auf dem Boden ist, dass die Datenträger nicht durch den Staplerverkehr verschmutzt oder zerstört werden. So lassen sich Lesefehler oder „no reads“ vermeiden. Gleiches gilt, wenn ein Folien-oder Papperest auf dem Boden liegt. Optische Systeme erkennen die Markierung nicht, während die RFID-Technologie den Transponder auch ohne direkten Sichtkontakt erkennt. Im Vergleich zu Magnetkodierungen im Hallenboden bietet die RFID-Technologie einen entscheidenden Vorteil. Sie erzeugt auf wesentlich einfachere Weise eine vielfach größere Anzahl von Positions-IDs und verändert diese bei Bedarf durch einfaches Umprogrammieren über die Schreib-/Leseeinheit.
Zuverlässigkeit durch RFID-Systemkonzept
Die 13,56 MHz-Lösung RFH630 von Sick erfüllt den ISO Standard 15963 und ist speziell auf den Einsatz zur Objektkennzeichnung und -identifikation in Materialfluss, Intralogistik und Distribution ausgelegt. Der Interrogator RFH630 mit integrierter Antenne, Signal- und Datenverarbeitung sowie CANopen-Schnittstelle bietet industriegerechte Robustheit, hohe Kommunikationsreichweiten sowie optionale Anschlusstechnik für alle gängigen Feldbus- und Netzwerkkonzepte. Für noch mehr Flexibilität bei der Lösung von Applikationen sorgen externe Antennen mit unterschiedlichen Bauformen. Mit diesen lässt sich das Lesefeld den Erfordernissen der dynamischen Datenübertragung beim Überfahren des Transponders anpassen. Das RFID-System von Sick bietet ein Höchstmaß an Verfügbarkeit – zum einen durch seine hohe Lesesicherheit, zum anderen durch seine Robustheit und Servicefreundlichkeit. Sogar im Falle eines Gerätetausches ist die Ausfalldauer des Staplers minimal. Der integrierte Micro-SD-Slot ermöglicht innerhalb von Sekunden den Parameter-Download auf ein Neugerät.
Transponder warnen Staplerfahrer
Die Transponder, die an den neuralgischen Streckenpunkten zuverlässig identifiziert werden müssen, stehen als Zylinder- oder Münztransponder zur Verfügung. Zum Schutz vor Beschädigung oder Zerstörung werden sie an diesen unfallkritischen Stellen in Kernlöchern von wenigen Millimetern Tiefe versenkt und beispielsweise mit Flüssigasphalt vergossen. Die Lesesicherheit wird von der im Lagerbetrieb üblichen Bodenverschmutzung oder einer unter Umständen vorhandenen Eisenarmierung im Boden nicht beeinträchtigt. Da beispielsweise bei Schmalgangstaplern die Achshöhe etwa 35 Millimeter beträgt, wird der RFH630 mit etwa 40 Millimeter Abstand zum Hallenboden an der Staplerunterseite montiert. Bei dem sich daraus ergebenden Leseabstand von etwa 55 Millimeter wird eine Lesefeldbreite von etwa 100 Millimeter erreicht. Die ausgelesenen Transponderdaten werden über die CANopen-Schnittstelle des RFH630 an die Fahrzeugsteuerung weitergeleitet. Diese entscheidet anhand der Positionsinformationen über geeignete Maßnahmen. Der Staplerfahrer kann sich darauf verlassen, an den kritischen Stellen informiert zu sein. Abhängig vom Warnkonzept erfolgt ein automatischer Eingriff der Fahrzeugsteuerung, beispielsweise ein Übergang in Schleichfahrt oder eine Reduzierung der Hubhöhe.
Automatische Umstellung auf Schleichfahrt
Als elektronische Fahrerunterstützung ist das RFID-System von Sick eine sehr zuverlässige Assistenzlösung, die an vielen sicherheitskritischen Streckenpunkten vor Anfahrunfällen schützt. In Schmalganglagern kann es nicht nur zur Sicherung von Gangenden und Quergassen eingesetzt werden, sondern auch von Schmalgang-Fluchtwegen. Diese sind laut §29 der Unfallverhütungsvorschriften Flurförderzeuge BGV D27 vorgeschrieben. Darüber hinaus ermöglicht die RFID-Technologie über die Wegstreckenmessung und Positionsbestimmung hinaus die halbautomatische Zielanfahrt von Stellplätzen. Dieses erleichtert die Positionierung am Stellplatz und unterstützt die Konzentration des Fahrers. Die Fahrwege von Staplern können je nach örtlichen Gegebenheiten Steigungs- und Gefällstrecken aufweisen. Transponder im Boden können in solchen Fällen ein Fahrzeug automatisch auf Schleichfahrt umschalten oder dem Fahrer signalisieren, dass eine Weiterfahrt nur mit bergseitig geführter Ladung zulässig ist. Unterschiedlich hohe Durchfahrten oder Hallentore ins Freie sind ebenfalls typische Streckenpunkte für Transpondermarkierungen. Hubhöhen lassen sich automatisch anpassen, um Anfahrunfälle mit Gebäudeteilen zu vermeiden.
IDpro integriert AutoID-Technologien in Stapler
RFID bewährt sich in der Intralogistik nicht nur als Assistenzsystem zur Reduzierung von Unfallrisiken, sondern auch als elektronische Kodierung von Bodenstellplätzen in Blocklagern. Bei der Kennzeichnung von Regalfächern, Paletten, Gitterboxen und anderen intralogistischen Objekten dominiert noch immer der Barcode beziehungsweise der 2D-Code. Für Staplerfahrzeuge, die sowohl elektronische als auch optische Datenträger identifizieren sollen, bietet Sick mit der Plattform IDpro die Möglichkeit, jede der Technologien auf einheitliche Weise zu integrieren. Alle IDpro-Geräte – neben anderen die Barcodescanner CLV6xx, die kamerabasierten Codeleser LECTOR62x und die RFID-Interrogatoren RFH6xx für HF sowie RFU6xx für UHF zeichnen sich durch ein industriegerechtes Design aus. Sie lassen sich auf die gleiche Weise anschließen, konfigurieren und parametrieren. Einmal parametrierte Datentelegramme können für alle AutoID-Systeme genutzt werden. Anwender profitieren von kosteneffizienten und investitionssicheren Lösungen für ihre Aufgabenstellungen. Dem Hersteller und Stapler- und anderen Flurförderzeugen stehen vollständig kompatible und vernetzbare Technologien zur Verfügung mit einheitlichen Parametrier- und Bedienoberflächen, durchgängig kompatibler elektrischer wie auch mechanischer Anschlusstechnik sowie identischen Feldbuskomponenten. Ob Prozesssteuerung oder Unfallvermeidung durch Fahrerunterstützung – Sick bietet für alle gängigen Staplertypen und -fabrikate geeignete Identifikationslösungen an. Diese bewähren sich aufgrund ihrer technischen Leistung und ihrer Robustheit speziell im Staplerumfeld.

